Arbeiterwohlfahrt für Solidarität und gegen Pegida

9 01 2015

Berlin, 09. Januar 2015. „Die Arbeiterwohlfahrt steht für Solidarität und Toleranz und hat sich in ihrer langen Tradition immer gegen die Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen ausgesprochen. Deshalb lehnen wir jedwede Vorurteile gegen Menschen anderen Glaubens oder gegen Menschen mit Migrationshintergrund entschieden ab“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler vor dem Hintergrund der sich immer weiter ausbreitenden Pegida-Demonstrationen, die sich gegen eine vermeintliche Islamisierung der Bundesrepublik wenden.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) steht für eine solidarische und pluralistische Gesellschaftsordnung, in der alle Menschen die gleichen unangreifbaren Rechte haben. Aufgrund eigener historischer Erfahrungen und unserer demokratischen Grundüberzeugung und Wertevorstellung stellt sich die AWO gegen jede Vorstellung, die Menschen in vermeintlich minderwertige Gruppen einteilt oder ausgrenzt. „Auch und besonders angesichts des terroristischen Überfalls in Paris dürfen wir nicht zulassen, dass einzelne Religionen und deren Anhänger dafür missbraucht oder instrumentalisiert werden, einen Keil in unsere solidarische Gesellschaftsordnung treiben zu lassen. Glaubensintoleranz, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende abschließend.





50 Jahre Freiwilliges Soziales Jahr. Ein Blick zurück nach vorn

7 04 2014

Berlin, 07. April 2014. „Die Geschichte des Freiwilligen Sozialen Jahres ist ein voller Erfolg. Seit über 50 Jahren engagieren sich junge Menschen und ergreifen Verantwortung für andere. Hier wird Solidarität früh geübt“, erklärt der AWO Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler. Klein begonnen, absolvieren heute rund 49 000 junge Menschen jedes Jahr bundesweit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Gemeinsam mit dem Bundesfreiwilligendienst und den Auslandfreiwilligendienste sind das 100 000 Freiwillige und damit rund 10 Prozent eines jeden Altersjahrgangs. „Ohne die konsequente Förderung dieses Engagements, wäre diese positive Entwicklung nicht möglich gewesen. Sie sollte uns auch in Zukunft jede Bemühung wert sein“, unterstreicht Stadler.

„Für die Arbeiterwohlfahrt war seit jeher klar, dass das Freiwillige Soziale Jahr weder ein Arbeits- noch ein Ausbildungsverhältnis ist. Wir erkennen den eigenen Wert des Engagements junger Leute an“, erklärt Stadler. Denn nicht nur die Freiwilligen profitieren von ihren Erfahrungen. Die Türen für Engagement zu öffnen, heißt auch neue Sichtweisen und Blickwinkel auf die eigene Arbeit zu erhalten Wir werden auch künftig sicherstellen, dass das FSJ ein attraktives Bildungs- und Orientierungsangebot bleibt. Das gelingt nur, wenn die Freiwilligen nicht als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende.

„Dabei bleibt ungebrochen der Anspruch bestehen, dass sich auch junge Menschen mit mittleren und niedrigen Schulabschlüssen für das FSJ entscheiden. Doch eine Kultur selbstverständlicher Freiwilligkeit entsteht nicht über Nacht und nicht von allein“, so Stadler. Deswegen sind die Einrichtungen, die Freiwillige fördern, ein entscheidender Schlüssel zu einer erfolgreichen und gerechten Engagementpolitik. Vor Ort ist das aber zeit- und personalintensiv. Denn wer verantwortungsvoll Freiwillige einbinden will, muss sie fachlich anleiten und begleiten. „Zweifellos ist das in Zeiten großer Arbeitsverdichtung schwer zu leisten. Die nötige Geduld und die nötige Kompetenz aufzubringen, verdient gesellschaftliche Anerkennung“, hebt Stadler hervor.

Deswegen muss die Bundespolitik weiterhin das FSJ wertschätzen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. „Gerade die Planungssicherheit für die Einrichtungen ist bei der Einbindung von Engagierten zentral. Mit der gewachsenen finanziellen Förderung ist die Erfolgsgeschichte des FSJ möglich geworden, sie sollte auch in Zukunft bestehen bleiben“, schließt Stadler ab.





AWO verschickt Wahlprüfsteine an die sechs größten Parteien

12 04 2013

Berlin, 12. April 2013. Die Arbeiterwohlfahrt möchte anlässlich der kommenden Bundestagswahl 2013 die Politik auf den Prüfstand stellen. Dafür hat sie 37 Fragen zu den dringendsten sozialen Problemen als so genannte Wahlprüfsteine zusammengetragen und heute an die sechs größten Parteien (Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU, Die Linke, FDP, Piratenpartei, SPD) geschickt. „Die Politik steht vor großen Herausforderungen und wir wollen wissen, wie die Parteien diese lösen wollen“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Beweggründe für die Erstellung der Wahlprüfsteine. Die Antworten aller Parteien werden ausgewertet und in Form einer Synopse Anfang Juni auf www.awo.org zu finden sein.

Gefragt wird zum Beispiel danach, welche Maßnahmen die Parteien ergreifen wollen, um ein massives Auftreten von Altersarmut zu verhindern, wie Sie zur Höhe des Hartz-IV-Satzes stehen, wie Sie eine hohe Qualität der Kinderbetreuung sicherstellen wollen, welche Konzepte sie zur Gesundheitsförderung haben und ob Sie beabsichtigen einen sozialen Stromtarif einzuführen. Darüber hinaus  interessiert die AWO aber auch, wie die Parteien zum System der Leistungserbringung durch die Freie Wohlfahrtspflege stehen.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Auf der Grundlage ihrer unverrückbaren Grundwerte von Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit hat sie seit ihrer Gründung 1919 jene Menschen im Blick, die aus unterschiedlichen Gründen zu den sozial Schwachen der Gesellschaft gehören.

In der Arbeiterwohlfahrt arbeiten rund 382.000 Mitglieder, 70.000 Ehrenamtliche und 173.000 hauptamtlich Beschäftigte zusammen, um bei der Bewältigung sozialer Aufgaben und Probleme mitzuwirken und um den demokratischen, sozialen Rechtsstaat zu verwirklichen. Die Arbeiterwohlfahrt engagiert sich mit ihren über 3.700 Unternehmen und mehr als 14.000 Einrichtungen und Diensten in allen Bereichen der sozialen Arbeit. Darüber hinaus ist die AWO seit vielen Jahrzehnten ein wichtiger Träger von Freiwilligendiensten und ein Förderer des Bürgerschaftlichen Engagements.

Hier finden Sie die AWO Wahlprüfsteine 2013





Armuts- und Reichtumsbericht – AWO fordert Konsequenzen

7 03 2013

Berlin, 06. März 2013. „Selbst die geschönten Fakten des Berichtes offenbaren, dass unserer Gesellschaft die Spaltung in einige Gewinner und viele Verlierer droht“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler, dass das Bundeskabinett heute einen vorab mehrfach geänderten und damit schöngefärbten Armuts- und Reichtumsbericht beschließen möchte. „Werden die Ergebnisse nicht ernst genommen, verspielt Deutschland seine Zukunft“, warnt Stadler.

„Die AWO fordert mehr finanzielles Engagement für Bildung und Betreuung, bessere Zugänge zu Bildung und Arbeitsmarkt und mehr Beratung und Finanzierung von Sozialarbeit“, betont Stadler. Familien müssten aktiv unterstützt werden, damit sie ihre Chancen auch wahrnehmen können. Derzeit würden vor allem Familien mit hohen Einkommen von der aktuellen Familienpolitik profitieren, die zudem wie zum Beispiel mit dem Ehegattensplitting und dem Betreuungsgeld die falschen Anreize setze.

Stadler verweist außerdem auf Passagen des Berichtes, die offenlegen wie stark der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und gesellschaftlichen Teilhabechancen in Deutschland geworden ist. Anders gesagt: Wer arm geboren wird, bleibt es wahrscheinlich sein Leben lang. Benachteiligte Kinder leben häufig in schwierigen Wohngegenden, ihre Familien werden zu wenig unterstützt, Chancen auf auskömmliche Löhne sind gering. Schon das Freizeitverhalten vor Schuleintritt ist von den schlechten Startchancen geprägt: Kinder aus benachteiligten Familien nehmen deutlich seltener an außerhäuslichen Aktivitäten teil als Kinder aus Familien mit höheren Einkommen. Diese Benachteiligung würde schließlich häufig in Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Wut münden.

Darüber hinaus fordert Stadler: „Es ist höchste Zeit, endlich das Thema Verteilung anzugehen“, denn der Armuts- und Reichtumsbericht lege eine immer größer werdende Ungleichheit offen: Die untere Hälfte der Haushalte in Deutschland verfüge nur über rund ein Prozent des gesamten Nettovermögens. Die oberen zehn Prozent besäßen dagegen fast 60 Prozent. 1970 lag dieser Wert noch bei 44 Prozent. Zudem stieg die Zahl der Millionäre in Deutschland zuletzt überdurchschnittlich, wie der  World Wealth Report 2012 feststellt, den die Bundesregierung in ihrem Bericht aber ausgespart.

Stadler fordert die Politik zum Umsteuern auf: „Es geht um unsere Kinder, um unsere Zukunft!“ Die Menschen hätten dafür offenbar mehr Gespür als die Politik, denn wie eine Umfrage im Armuts- und Reichtumsbericht selbst darlegt, stimmen 77,7 Prozent der Befragten folgender Aussage zu: „Zu großer Reichtum führt zu Spannungen und Problemen in der Gesellschaft“. Für Stadler ein Beleg: „Die AWO-Werte Solidarität, Toleranz und Gerechtigkeit sind heute so modern und so zukunftsfähig wie vor hundert Jahren!“

Die aktuelle AWO-Ansicht mit dem Titel „Armutsfalle Deutschland“ widmet sich vollständig dem Thema Armut in Deutschland. Analysen und Zahlen in diesem Heft zeigen, dass die Angst der Menschen in Deutschland vor Armut zunimmt. Es ist an der Zeit, die Ursachen von Armut endlich zu bekämpfen.





AWO Sozialbarometer: Gerechtigkeit für Bundesbürger wichtigster Wert

6 11 2012

Aktuelle Umfrage des AWO Sozialbarometers

Berlin, 05. November 2012. 76 Prozent aller befragten Bürger, geben im aktuellem AWO Sozialbarometer* an, dass Gerechtigkeit für sie der wichtigste Wert ist. Knapp dahinter liegt der Wert der Freiheit, den stufen immerhin 75 Prozent der Befragten als sehr wichtig ein. „Gerechtigkeit und Freiheit sind zentrale Grundwerte einer jeden Demokratie“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Zahlen. Umso mehr muss der Staat seiner Pflicht zur Daseinsfürsorge nachkommen, um Ungerechtigkeiten zu kompensieren. Er muss vor allem dafür sorgen, dass alle Bürger die gleiche und gerechte Chance der sozialen und politischen Teilhabe erhalten.“

Nur jedem zweiten Bundesbürger (43 Prozent) ist auch der Wert der Solidarität sehr wichtig. „Die Solidarität ist ein sensibler Wert, der gerade in schwierigen Zeiten immer auf eine harte Probe gestellt wird. Wird der Sozialstaat weiter beschnitten, sind Auswirkungen auf das soziale Miteinander möglich. Die Folge wäre eine weitere Gefährdung des solidarischen Miteinanders“, warnt Stadler. In einer solidarischen Gesellschaft müssten selbstverständlich jene unterstützt werden, die materiell weniger haben – auch und vor allem von denen, die materiell wie finanziell im hohen Maße abgesichert sind. „Die AWO fordert von den politischen Verantwortlichen, dass sie die Werte Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität konkret mit Leben füllen, damit diese auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht zu reinen Worthülsen verkommen“, betont der AWO Bundesvorsitzende – etwa über die Einführung einer Vermögenssteuer, dem gleichen Zugang zu Bildung oder der Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung in der Gesundheits- und Altersvorsorge.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Auf der Grundlage ihrer unverrückbaren Grundwerte von Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit hat die AWO seit ihrer Gründung 1919 jene Menschen im Blick, die aus unterschiedlichen Gründen zu den sozial Schwachen der Gesellschaft gehören.

*Die AWO bat 1.001 Menschen: Sagen Sie mir zu jedem Wert (Solidarität, Freiheit, Gerechtigkeit), ob dieser für Sie persönlich sehr wichtig, wichtig, weniger wichtig oder überhaupt nicht wichtig ist.

Weitere Informationen unter www.awo-sozialbarometer.org





Deprimierendes Ergebnis: „AWO Umfrage: Zwei Drittel der Bürger wollen weniger deutsche Solidarität mit Europa“

4 09 2012

Aktuelle Umfrage des AWO Sozialbarometers

Berlin, 03. September 2012. „Ein deprimierendes Ergebnis, das jedoch angesichts der einseitig geführten Europa-Debatte in Deutschland nicht weiter verwundern braucht“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Ergebnisse des neuesten AWO-Sozialbarometers. Wie TNS Infratest im Auftrag der AWO ermittelte, wünschen sich 68 Prozent der 1.000 befragten Bürger von der Bundesregierung weniger Solidarität mit schwächeren EU-Staaten. „Die Ergebnisse zeigen erstmals in aller Deutlichkeit, dass es in Deutschland kein solidarisches Miteinander mit Europa gibt“, bedauert Stadler und fordert: „Die Bundesregierung sollte aufhören, die Bürger tagtäglich mit neuen Szenarien über die Kosten Europas zu verschrecken und ihnen stattdessen endlich erklären, warum Europa wichtig für uns ist.“

Besonders irritierend ist es, dass Europa vor allem in der so genannten Mitte der Gesellschaft schlecht wegkommt: So lehnen zum Beispiel 74 Prozent der Bürger mittleren Alters (30-59 Jahre) und über 70 Prozent der Verdiener von mittleren (1.500 – 3.000 Euro Haushaltseinkommen) und hohen Einkommen (ab 3.000 Euro Haushaltseinkommen) mehr deutsche Solidarität für die Europäische Union ab. Schuld daran seien sicher auch die Krisenstrategie der Bundesregierung und die einseitigen Debatten in der medialen Öffentlichkeit. „Die ausschließliche Betonung einer wirtschaftlich ausgerichteten Kosten-Nutzen-Rechnung, treibt die Bürger in die Europa-Ablehnung“, ist Stadler überzeugt und fügt hinzu: „Das soziale Europa und die Idee eines europäischen Sozialstaats wurde und wird nirgends thematisiert beziehungsweise systematisch ignoriert.“

Dabei wäre eine solche Debatte umso dringender geboten angesichts immer wieder skizzierter Krisenszenarien, wonach ein Zerbrechen der Eurozone die Arbeitslosigkeit, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit, in Europa in die Höhe schnellen ließe und somit den sozialen Zusammenhalt noch mehr auf die Probe stellt. Eine Debatte um ein soziales Europa sei auch deswegen notwendiger denn je, weil „in manchen EU-Staaten der Einfluss politischer Gruppen am rechten Rand erkennbar größer wird und gegen diese Entwicklung alle Demokraten entschlossener vorgehen müssen“, fordert der AWO Bundesvorsitzende Stadler.

*Die AWO fragte 1.000 Menschen: Wenn Sie jetzt einmal an die Krise der Europäischen Union und die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Staaten denken: Wünschen Sie sich, dass Deutschland mehr Solidarität mit den schwächeren EU-Staaten zeigt oder wünschen Sie das nicht? Die Studie wurde von TNS-Infratest durchgeführt.

Weitere Informationen zum Sozialbarometer unter www.awo-sozialbarometer.org





Gutachten belegt: Pflege-Bürgerversicherung rechnet sich!

15 01 2012

„Dieses Ergebnis beweist, dass die Pflege-Bürgerversicherung nicht nur gerecht, sondern auch ohne zusätzliche Kosten umsetzbar ist“, begrüßt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler das Resultat eines Gutachtens von Prof. Heinz Rothgang. „Die Pflege-Bürgerversicherung kann allen Bürgern eine ausreichende Absicherung gewährleisten und macht eine private Zusatzversicherung überflüssig“, erklärt Prof. Rothgang. „Während der Bundesgesundheitsminister seit Monaten kein Konzept für eine nachhaltige Versorgung im Falle einer Pflegebedürftigkeit zustande bringt, kann die AWO jetzt beweisen, dass die Pflege-Bürgerversicherung den Beitragssatz sogar bis 2050 unter drei Prozent stabilisieren würde“, versichert Stadler.

Die AWO beauftragte Prof. Heinz Rothgang von der Uni Bremen, die finanzielle Machbarkeit einer Pflege-Bürgerversicherung zu prüfen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine Pflege-Bürgerversicherung sogar Leistungsverbesserungen für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen möglich machen würde. „Das grundsätzliche Problem der Sozialen Pflegeversicherung liegt in ihrer Einnahmeschwäche. Die Mehreinnahmen, die wir durch die Einbeziehung der gesamten Bevölkerung, die Verbeitragung aller Einkommensarten in einer Säule und die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf die derzeit in der Rentenver­si­che­rung geltende Höhe von 5.500 Euro pro Monat erzielen, lösen dieses Problem. Auch die sofortige Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes wird möglich“, betont Stadler. „Selbst wenn weitere Leistungsverbesserungen vorgenommen, alle Leistungen dynamisiert und sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 verdoppeln würde, kann mit der Pflege-Bürgerversicherung der Beitragssatz bis 2050 unter drei Prozent gehalten werden“, ergänzt Prof. Rothgang.

Die AWO fordert seit langem die Einführung einer Pflege-Bürgerversicherung als solidarische Finanzierungsgrundlage in der Pflegeversicherung. „Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Verminderung von sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit“, betont Stadler. Die Umwandlung der Sozialen Pflegeversicherung in eine Bürgerversicherung würde die strukturelle Einnahmeschwäche an der Wurzel packen, da ein Übertritt in die Private Pflegeversicherung dann nicht mehr möglich wäre und auch eine sinkende Lohnquote durch Berücksichtigung aller Einkommensarten nicht mehr zu einer Verringerung der beitragspflichtigen Einnahmen führen würde. „In der Pflegeversicherung macht die Aufteilung in eine gesetzliche und eine private Versicherung überhaupt keinen Sinn mehr, da das Leistungsrecht beider Systeme absolut identisch ist. Das kostet nur unnötig Geld“, erklärt Stadler. Die Pflege-Bürgerversicherung würde hingegen bei einer sofortigen Einführung ohne Berücksichtigung von Übergangsregelungen den zum Budgetaus­gleich notwendigen Beitragssatz um 0,4 Beitragssatzpunkte reduzieren. „Deshalb fordert die AWO die Politik und insbesondere Minister Bahr auf, endlich zu handeln und die verfassungskonforme Umsetzung einer Pflege-Bürgerversicherung auf den Weg zu bringen“, bekräftigt der AWO Bundesvorsitzende.

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Gutachens.

Das Gesamtgutachten finden Sie hier.








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