Kampf um Erzieher – Keine soziale Spaltung zulassen

2 07 2013

Berlin, 02. Juli 2013. „Die Folge ist nicht weniger als die soziale Spaltung“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die sich häufenden Versuche reicher Kommunen Erzieher aus finanzschwachen Kommunen mit finanziellen Vorteilen abzuwerben. „Die Qualität der Kinderbetreuung steht und fällt mit der Qualität der Erzieher. Nur wenn der Bund sich dauerhaft an den Kosten von Kindertageseinrichtungen beteiligt, kann sichergestellt werden, dass Kinder in finanzschwachen Kommunen nicht schon in der Kita schlechter gestellt werden. Alle Kinder haben das Recht auf gute Erzieher“, betont Stadler und ergänzt: „Das Fachkräfteprinzip aufzuweichen ist keine Lösung.“

Der Mangel an Erziehern führt zu einer dreifachen Spaltung: zwischen wohlhabenden Kommunen und solchen die sich in Haushaltssicherung befinden, zwischen Trägern die tariflich zahlen und solchen die aus der Tarifbindung aussteigen und schließlich in der Folge zu Kita Plätzen für Wohlhabende und solchen für alle Anderen. Die Ursachen für den Fachkräftemangel sind vielfältig. So steht die Ausbildung zum Erzieher in keinem angemessenen Verhältnis zur Vergütungsstruktur im Bereich der Kindertageseinrichtungen und mehr noch in der Kindertagespflege, sie ist den anspruchsvollen Aufgaben nicht mehr angemessen. Im Wettbewerb um Fachkräfte hat der Kinderbetreuungsbereich damit immense Probleme. Deshalb setzt sich die AWO für eine verbesserte Vergütung von Erziehern ein.

Grundsätzlich müsste die Ausbildung praxisorientierter ausgestaltet werden. Die Arbeit in Kindertageseinrichtungen wurde in den vergangenen Jahren immer komplexer und anspruchsvoller. Die Entwicklung einer inklusiven und partizipativen Grundhaltung, die Umsetzung von Bildungsplänen, die präzise Beobachtung und Dokumentation, verstärkte Sprachförderung und die gezielte Förderung von Kindern unter drei Jahren sind wesentliche  Aspekte, die hier zu nennen sind. „Für diese pädagogische Arbeit werden gut ausgebildete Fachkräfte mit der Mindestqualifikation Erzieher benötigt“, stellt Stadler abschließend klar.

Mit dem zum 01. August in Kraft tretenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ging ein enormer Ausbau an Betreuungsplätzen einher. Neben der Frage der Finanzierung der Angebote ist der zunehmende Fachkräftemangel das Haupthindernis für den weiteren Ausbau des  Betreuungsangebotes. Vielerorts können bereits heute Krippengruppen nicht eröffnet und Einrichtungen nicht ausgebaut werden, weil es an Fachkräften mangelt.

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Erzieherberuf: Umschulungen lösen das Problem nicht

10 07 2012

Berlin, 10. Juli 2012. „Die AWO begrüßt die Initiative der Bundesagentur für Arbeit, mehr Arbeitssuchende zum Erzieherberuf umzuschulen“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker, fügt aber hinzu: „Grundlegende Voraussetzung ist aber die persönliche Eignung und der freie Wunsch der Menschen diesen Beruf ergreifen zu wollen. Auch kann der  anspruchsvolle Erzieherberuf nicht in einer Schnellqualifizierung erlernt werden.“ Das grundsätzliche Problem des Erziehermangels würde auch der Vorschlag der Bundesagentur für Arbeit nicht lösen. „Der Erzieherberuf ist für viele junge Menschen zu unattraktiv. Das müssen wir ändern“, fordert Döcker.

So sei die Ausbildung mit bis zu fünf Jahren deutlich zu lang. Zudem müsse die Ausbildung praxisorientierter ausgestaltet werden. Die Vergütungsstruktur im Bereich der Kindertageseinrichtungen und mehr noch in der Kindertagespflege ist den anspruchsvollen Aufgaben nicht angemessen. „Im Wettbewerb um Fachkräfte hat der Kinderbetreuungsbereich damit immense Nachteile“, kritisiert Döcker.

Die Arbeit in Kindertageseinrichtungen sei in den vergangenen Jahren immer komplexer und anspruchsvoller geworden. Die Entwicklung einer inklusiven und partizipativen Grundhaltung, die Umsetzung von Bildungsplänen, die präzise Beobachtung und Dokumentation, verstärkte Sprachförderung und die gezielte Förderung von Kindern unter drei Jahren sind wesentliche Aspekte, die hier von den Fachkräften zu berücksichtigen wären. „Für diese pädagogisch anspruchsvolle Arbeit werden gut ausgebildete Fachkräfte benötigt. Nur sie können eine hohe Qualität der Kindertagesbetreuung sicherstellen“, stellt Döcker abschließend klar.





Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung muss eingehalten werden

30 04 2012

Vom Betreuungsgeld könnten bis zu 50.000 Erzieherstellen  finanziert werden

Berlin, „Jetzt schlägts´13! Der Kita-Ausbau geht viel zu langsam voran“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. „Es ist völlig unklar, wie der ab August 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gewährleistet werden soll. Die Plätze reichen hinten und vorne nicht“, moniert Stadler und ergänzt: „An dem Rechtsanspruch darf trotzdem nicht gerüttelt werden. Wer solche Zusagen macht, der muss sie auch einhalten.“ Vielen Kommunen fehle nicht nur Geld für den Bau von neuen Kitas, sondern auch für die Bezahlung von Fachkräften. „Mit den geplanten Mitteln des Betreuungsgeldes könnten bis zu 50.000 Erzieherstellen geschaffen werden*. Damit könnten wir einen enormen Qualitätssprung in der frühkindlichen Bildung und Betreuung vollziehen“, erklärt der renommierte Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Sell.

Als Trägerin von über 2.200 Kitas in ganz Deutschland erhebt die AWO  „AWO-Forderungen zur Umsetzung des Rechtsanspruches auf Kindertagesbetreuung zum 1. August 2013“. Hierin fordert die AWO einen Ausbau, der dem tatsächlichen Betreuungsbedarf entspricht, aber gleichzeitig die hohe Qualität der Kindertagesbetreuung garantiert. Darüber hinaus fordert die AWO, ausreichende und flexible Betreuungszeiten, und Beitragsfreiheit für alle Kinder, damit diese gleiche Chancen auf frühkindliche Bildung und Betreuung, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Wohnort haben.

„Die Beschäftigen in unseren Einrichtungen sind tagtäglich mit den Sorgen und Nöten von Eltern in Berührung. Sie erleben nahezu täglich verzweifelte Eltern auf der Suche nach einem Betreuungsplatz, die leider vertröstet werden müssen. In vielen Einrichtungen sind die Wartelisten so lang, das es keinen Sinn mehr macht, sie fortzuführen“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende und Prof. Dr. Sell ergänzt: „Die für das Betreuungsgeld geplanten Mittel gehören in den Kita-Ausbau. Nur so kommen die Mittel bei denjenigen an, die sie wirklich brauchen.“ Der Bund könnte so zum Beispiel besonders klamme Kommunen beim Ausbau unterstützen.

Die AWO wird in Kürze eine Kampagne zur Umsetzung des Rechtsanspruches starten. Unter dem Motto „jetzt schlägt´s 13 – wer zusagt muss auch aufmachen“ will die AWO für die Umsetzung des Rechtsanspruches werben.

*Schon im kommenden Jahr stehen im Bundeshaushalt 400 Mio. Euro für das Betreuungsgeld zur Verfügung – wenn man dieses Geld verwenden würde, um das dringend erforderliche zusätzliche Personal zu bezahlen, dann könnte man damit mehr als 10.500 Erzieher finanzieren. Und noch eindrucksvoller dann die Möglichkeiten ab 2014, den ab diesem Jahr stehen 1,2 Mrd. Euro pro Jahr  im Bundeshaushalt. Damit könnten fast 32.000 Fachkräfte mehr finanziert werden. Und sollte die Prognose zutreffen, dass es tatsächlich 1,9 Mrd. Euro pro Jahr werden, da mehr Eltern als angenommen das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen (müssen), dann wären sogar 50.000 neue Erzieherstellen finanzierbar!

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AWO begrüßt neue Perspektiven für Tagesmütter durch das Bundesfamilienministerium

25 04 2012

Berlin, 25. April. „Das ist ein wichtiger Schritt“, begrüßte der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler, die bekannt gewordenen Pläne des Bundesfamilienministeriums, zukünftig alle Träger finanziell zu unterstützen, die Tagesmütter oder –väter fest einstellen. „Gerade als Arbeiterwohlfahrt haben wir sehr positive Erfahrungen damit gemacht. Insbesondere die fachliche Begleitung und Beratung sind für die Betroffenen eine gute Alternative zur Selbstständigkeit. Das  gesamte Arbeitsfeld Kindertagespflege wird dadurch aufgewertet“, betont Stadler.

„Unser Ziele sind es zum einen, Tagesmüttern und –vätern eine Berufs- und Weiterqualifizierungsperspektive zum Beispiel für den Erzieherberuf zu ermöglichen und zum anderen, das familiennahe Angebot der Kindertagespflege quantitativ und qualitativ auszubauen“, erklärt Stadler. Nach den Ministeriumsplänen erhalten Arbeitgeber, die Tagesmütter oder –väter fest einstellen, ein Jahr lang bis zu 50 Prozent des Arbeitgeberbruttos vom Staat erstattet. Die Voraussetzung hierfür ist, neben der Schaffung eines neuen Betreuungsplatzes, die Weiterbeschäftigung um mindestens ein weiteres Jahr ohne staatlichen Zuschuss. „Damit wird der Gleichrangigkeit von Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen, die bereits seit gesetzlich 2005 festgeschrieben ist, wieder ein Stück näher gekommen“, erklärt Stadler abschließend.





Freiwillige sind keine Notfallerzieher

29 03 2012

Berlin, 29. März 2012. „Bundesfreiwillige können kein Teil eines Notfallplans für die Kinderbetreuung sein“, lehnt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute laut gewordene Forderung des Hauptgeschäftsführers des Städtebundes kategorisch ab. Dieser fordert 5.000 zusätzliche Bundesfreiwilligendienstler in den Kitas einzusetzen, um so den Fachkräftemangel zu beheben. „Freiwillige sind keine Notfallerzieher. Diese Forderung kann man nur als Ausdruck der totalen Hilflosigkeit interpretieren. Denn gerade in dem sensiblen Bereich der ein bis dreijährigen Kinder, um den es beim Ausbau der Kinderbetreuung in erster Linie geht, braucht es gut ausgebildete Erzieher“, betont Stadler. Zudem benötigten Kitaleitungen langfristige Planungssicherheit, die es mit Freiwilligen so nicht gebe.

„Natürlich sind Freiwillige in den Kitas immer herzlich willkommen“, doch das eigentliche Problem des Fachkräftemangels wird somit nicht behoben“, betont Stadler. Hier müssten attraktivere Rahmenbedingungen her. Schon heute fehlen bundesweit mehrere Tausend Erzieher. Ein Freiwilligendienst dient dazu jungen Menschen, eine Möglichkeit zu geben, sich zu engagieren und damit etwas für die Gesellschaft zu tun. Er sei aber nicht dazu da, Löcher zu stopfen. „Vorgestern Pflegeheime, gestern Mehrgenerationenhäuser heute Kitas. Welches Leck sollen sie morgen stopfen?“ zeigt sich Stadler irritiert.





50 Jahre Anwerbeabkommen – AWO unterstützte „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“ von Anfang an

29 10 2011

Berlin, 29. Oktober 2011. „Das Anwerbeabkommen löste einen dynamischen Gesellschaftsprozess hin zu einer bunteren Gesellschaft aus, wie es damals wohl niemand erwartet hätte“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker anlässlich des 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens der Bundesrepublik Deutschland mit der Türkei am 30. Oktober 2011. Die Bundesrepublik transformierte sich damit von einem engen Nationalstaat hin zu einer Einwanderungsgesellschaft. „Das veränderte auch die AWO“, betont Döcker.
So habe die AWO bereits im Juli 1962 den ersten türkischen Sozialberater eingestellt und das erste „Türk Danış –Büro“ eröffnet. Von diesem Zeitpunkt an, war die Arbeiterwohlfahrt der so genannte zuständige Betreuungsverband für türkische Staatsangehörige. Innerverbandlich war es ein langer Weg von der früher vorherrschenden paternalistischen Fürsorgehaltung hin zum gegenwärtigen Leitbild einer „Sozialen Arbeit in einer Einwanderungsgesellschaft“, die mittlerweile das Selbstverständnis der AWO prägt.
„Heute sind aus der Türkei stammende Großeltern, ihre hier geborenen Kinder und ihre Enkelkinder selbstverständliche Kunden unserer Kindergärten und die Zahl der aus der Türkei stammenden Senioren in unseren Altenhilfeeinrichtungen nimmt kontinuierlich zu“, zeigt sich Döcker erfreut. Das gelte ebenso für die Beschäftigten. „Erzieherinnen und Pflegekräfte mit türkischen Wurzeln gehören bei uns schon lange zur Normalität“, betont Döcker.
An die Politik appelliert Döcker, sich noch aktiver für die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft aller in Deutschland lebenden Bürger einzusetzen.
Deshalb fordert die AWO:

  •  Voraussetzungslose doppelte Staatsangehörigkeit für alle diejenigen, die seit der Anwerbung 1961 bis zum Anwerbestopp 1973 in die Bundesrepublik einreisten. Dies wäre eine tatsächliche rechtliche Würdigung der Lebensleistung dieser vormaligen „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter“.
  • Streichung der Optionspflicht und Zulassung der doppelten Staatsangehörigkeit für in Deutschland geborene Kinder und Jugendliche.
  • Volle rechtliche Umsetzung des Rechtsrahmens, wie er sich aus dem Assoziationsabkommen zwischen der EU und der Republik Türkei ergibt. Nach dessen Vorgaben sind viele rechtliche Regelungen des aktuellen Zuwanderungsgesetzes auf türkische Staatsangehörige nicht anwendbar. Dazu gehören die Visumspflicht, der Familiennachzug und die Verpflichtung zur Teilnahme an Integrationskursen







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