Tarifwirrwarr schadet der Sozialwirtschaft!

13 08 2012

Berlin, 13. August 2012. „Die Befunde zeigen, dass wir einen hohen Reformbedarf haben, den wir gemeinsam mit den anderen Verbänden angehen müssen“, kommentiert der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler den Bericht der Forscher des Instituts Arbeit und Technik, den diese im Auftrag der Europäischen Kommission erarbeiteten und nun vorstellten. In dem Bericht „Befund Sociosclerose: Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen in der Sozialwirtschaft in Deutschland in Modernisierungsverantwortung“ kritisieren die Wissenschaftler die häufig schlechte Organisation der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in der Sozialwirtschaft. So zum Beispiel zählte das Team in der Sozialbranche 1.430 Tarifverträge und arbeitsrechtliche Vereinbarungen. „Mit diesem Tarifwirrwarr gefährdet die Branche ihre guten Zukunftsaussuchten selber“, bemängelt Stadler und fordert: „Wir benötigen einen allgemein verbindlichen Entgelttarifvertrag Soziales.“

Mit dem Bericht zeigen die Wissenschaftler, dass die Sozialwirtschaft einige Probleme effektiver angehen könnte, wenn sie geschlossener agiert. Die Wissenschaftler Josef Hilbert und Michaela Evans bezeichnen viele Arbeitsverhältnisse als problematisch. „Ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag würde den Beschäftigten die Wertschätzung geben, die sie verdienen“, betont Stadler. Derzeit sei nur die Hälfte der Beschäftigten durch einen Branchentarifvertrag erfasst. Verhandlungen würden erschwert durch die Aufsplittung in mindestens acht Verhandlungsarenen, die durch zahlreiche Arbeitgeberverbände repräsentiert würden. Der Branche fehle so die  Schlagkräftigkeit, bemängeln die Wissenschaftler.

Die AWO, die als Vermittler zwischen EU und nationalem Forscherteam das Projekt koordinierte, nimmt die Ergebnisse sehr ernst. Der Bericht zeige, dass die Arbeitgeber ihre Kräfte bündeln müssten, um dafür bessere Rahmenbedingungen einfordern zu können. „Wir wissen, dass wir nicht in der Lage sein werden, die guten Chancen für unsere Branche zu nutzen, wenn es uns nicht gelingt, attraktive Arbeitsplätze zu bieten“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende abschließend.

Zum Download des Berichtes.

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AWO unterstützt Gesetzesinitiative zur gleichen Bezahlung von Frauen und Männern

15 06 2012

Berlin. „Mit freiwilligen Maßnahmen der Arbeitgeber kommen wir nicht weiter“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Unterstützung der AWO für die Gesetzesinitiative der SPD, die per Gesetz und notfalls mit Bußgeldern eine gleiche Bezahlung von Männern und Frauen durchsetzen will. „Offensichtlich geht es nicht ohne staatliche Regulierung“, erklärt Stadler, denn obwohl ungleiche Bezahlung eigentlich bereits durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und das Europarecht untersagt ist, herrscht in Deutschland zwischen den Geschlechtern ein Lohngefälle von durchschnittlichen 23 Prozent.

Dreh- und Angelpunkt des Gesetzes ist eine transparente Gehaltsstruktur, die von Unternehmen zukünftig offengelegt werden soll. „Auch wenn der vorliegende Gesetzentwurf noch nicht alle Details geklärt hat, ist die Richtung richtig und wichtig. Wir hoffen, dass ein solches Gesetz schon bald politische Mehrheiten findet“, betont Stadler. Zudem regt er an, die deutsche Antidiskriminierungsstelle zu einer Ombudsstelle nach schwedischem Vorbild auszubauen. Dafür müsste sie in jedem Fall über deutlich mehr Ressourcen verfügen, denn nur so kann tatsächlich dafür gesorgt werden, dass niemand wegen seines Geschlechts, Alters, Herkunft oder anderer persönlicher Merkmale diskriminiert wird.





Ablehnung der Frauenquote unverständlich

2 12 2011

Berlin, 02. Dezember 2011. „Nur eine gesetzliche Quote, deren Nichteinhaltung sanktioniert werden kann, bringt Unternehmen dazu, sich verstärkt um Frauen in Führungspositionen zu bemühen“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heutige Ablehnung der Anträge der Grünen und der SPD im Bundestag. Beide forderten die Einführung einer verbindlichen Quote von Frauen in Führungspositionen in Höhe von 40 Prozent, was die Mitglieder der Regierungskoalition aber ablehnten. Unverständlich, wie Stadler findet, denn: „Vereinbarungen, die auf Freiwilligkeit basieren, haben bisher leider keine nennenswerten Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung gebracht.“

Auch wenn eine Quote kein Allheilmittel sei, bringe sie doch eine klare Zielvorgabe, deren Erreichung regelmäßig überprüft werden könnte. Eine Quote zwinge  Arbeitgeber dazu, ihre Arbeitsbedingungen für Frauen attraktiver zu gestalten. „Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wäre das ein riesiger Fortschritt“, ist Stadler sicher. Erfahrungen aus anderen Ländern, wie zum Beispiel Norwegen hätten gezeigt, dass erst eine verbindliche Quote mit entsprechenden Sanktionen Wirkung zeige. Dort wären die Kritiker mittlerweile verstummt.





Gesetz zur Familienpflegzeit enttäuscht

20 10 2011

Berlin, 20. Oktober 2011. „Das Ziel, Beruf und Pflege für viele Menschen miteinander vereinbaren zu können, wird damit verfehlt“, kritisiert AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker das heute vom Bundestag verabschiedete Gesetz zur Familienpflegezeit. Der AWO-Bundesverband hat den Prozess der Gesetzentstehung bis heute kritisch begleitet und seine Verantwortung als Sozialverband wahrgenommen auf Schwachstellen hinzuweisen und Optimierungsvorschläge einzubringen. „Die Bundesregierung hat jedoch unsere Bedenken wie auch Vorschläge, die wir mit vielen anderen Verbänden, Organisationen und Experten teilen, weitestgehend ignoriert. Doch ohne einen gesetzlichen Rechtsanspruch wird die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer Familienpflegezeit für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer  ins Leere laufen“, fürchtet Döcker und erklärt weiter: „Das Gesetz enttäuscht. Es bietet pflegenden Angehörigen nicht die notwendigen Leistungen und Rechte, um die gesamtgesellschaftlich so wichtige Verantwortung der Angehörigenpflege zu übernehmen. Und dabei verdienen Angehörige deutlich mehr Entgegenkommen des Staates, denn ohne ihre Bereitschaft zur Pflegeübernahme würde Pflege und Betreuung den Staat und das Solidarsystem an seine finanziellen Grenzen bringen.

Den Kernpunkt des Gesetzes, dass Berufstätige für maximal zwei Jahre ihre Arbeitszeit auf wöchentlich 15 Stunden reduzieren können, lehnt Döcker als nicht zielführend ab: „Niemand weiß, wie lange ein Angehöriger Pflege benötigt“, betont Döcker. Unabhängig von dem fehlenden Rechtsanspruch fehlt auch das Rückkehrrecht auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz. Als weiteren Kritikpunkt sieht Döcker, dass Beschäftigte die so genannte Ausfallversicherung selber übernehmen müssen. Diese soll das Risiko für die Arbeitgeber minimieren, falls Arbeitnehmer nach der Familienpflegezeit nicht mehr zum Arbeitsplatz zurückkehren können (z.B. aus gesundheitlichen Gründen). Bei allem Verständnis dafür, dass auch Arbeitgeber durch das Gesetz zur Familienpflegezeit nicht über Gebühr belastet werden, hätte die Regierung doch zumindest eine Balance zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen herstellen sollen. Die jetzigen Regelungen lassen eine solche Balance vermissen. „Was die Betroffenen wirklich benötigten, ist ein „selbstbestimmter Anspruch auf Beratung, kurzfristige Freistellungsmöglichkeiten ohne Lohnverlust und einen Anspruch auf Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen, um die eigene Gesundheit zu erhalten und nicht zuletzt eine ambulante Betreuungsstruktur, die überhaupt erst ermöglicht, dass pflegende Angehörige erwerbstätig bleiben können“, fasst Döcker die AWO-Forderungen zusammen.

Die Angehörigenpflege ist der größte „Pflegedienst“ Deutschlands. Rund 1,6 Millionen Menschen werden derzeit zu Hause durch Angehörige gepflegt. 40 Prozent der pflegenden Personen sind erwerbstätig. Das Positionspapier der AWO zum aktuellen Gesetz finden Sie unter:
http://www.awo.org/standpunkte-und-positionen/pflege.html





Verband berufstätiger Mütter e.V. : „Ich kann kommen und gehen wann ich will!“

18 10 2011

Ergebnisorientiertes Arbeiten – von der Utopie zum Erfolgsmodell für familienbewusste Unternehmen. Das Topthema des Verbands berufstätiger Mütter (VBM) hat es in sich: „Effizienz statt Präsenz“ fordert nicht weniger als die Abschaffung der Präsenzkultur in deutschen Unternehmen. Was steckt dahinter? Lange Anwesenheit fördert die Karriere, vor allem abends. Auch die Teilnahme an Meetings ist ein Karrierefaktor. Nur dann glauben Kollegen und Vorgesetzte, dass man etwas tut für das Unternehmen. Angestellte werden zudem nach abgeleisteten Arbeitsstunden bezahlt, selten nach Leistung oder Ergebnissen. Das heißt: Wer von morgens bis abends im Unternehmen präsent ist, muss wohl sehr engagiert sein und wahrscheinlich auch besser als die weniger präsenten Kolleginnen und Kollegen, oder? Menschen, die z.B. aufgrund familiärer Verpflichtungen weniger präsent sein können, haben also das Nachsehen.Diese Arbeitskultur benachteiligt viele Frauen – aber auch Männer – mit Kindern, die nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen. Weniger anspruchsvolle Aufgaben, geringere Karrierechancen und ein niedrigeres Gehalt sind Ausdruck dieser Benachteiligung. Deshalb fordert der VBM hier von den Arbeitgebern ein Umdenken. Ergebnisbezogenes Arbeiten nützt Unternehmen Der sich anbahnende Fachkräftemangel in Deutschland zwingt Unternehmen, stärker auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen und zukunftsfähige Konzepte für die Gestaltung der Arbeitswelt zu entwickeln. Viele benötigen mehr Freiraum, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Doch auch Menschen ohne familiäre Verpflichtungen werden sich in Zukunft für die attraktivsten Arbeitgeber entscheiden, und flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten steht gerade bei sehr gut ausgebildeten Fachkräften hoch im Kurs. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort und die Förderung ergebnisbezogenen Arbeitens bringen weitere Vorteile: Effizienz und Produktivität steigen, wenn der Arbeitstag entzerrt wird, und Mitarbeiter sind ausgeglichener und motivierter, wenn sie ihre Zeit eigenverantwortlich gestalten können.

Arbeiten frei von Zeit und Raum – das Lübecker Symposium setzt Zeichen: Gemeinsam mit der Beratungsstelle „Wirtschaft und Familie“ der IHK zu Lübeck veranstaltete der VBM am 02. September 2011 das Symposium „Moderne Zeiten – arbeiten frei von Zeit und Raum“. Experten, Wissenschaftler und Unternehmer diskutierten hier das Für und Wider einer flexiblen Arbeitswelt. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die lebhaften Diskussionen belegen, dass mit diesem Thema ein Nerv bei den Unternehmensverantwortlichen getroffen wurde. Vor allem die Beispiele aus der Praxis zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich ergebnisorientiertes Arbeiten, flexible Arbeitsstrukturen und eine ernst gemeinte Mitarbeiterorientierung umgesetzt werden können – und das zum Teil mit sehr einfachen Maßnahmen.

Zum Beispiel gilt in der Volksbank Lübeck nun die Devise „Zielverantwortung statt Anwesenheitsprämie“, flexible Arbeitszeitmodell sind möglich und individuelle Lösungen für die Mitarbeitenden werden unbürokratisch gefunden.

Bei dem großen Berliner Ingenieurbüro hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH wird die Präsenz im Büro zur Nebensache. Die Verantwortung für die Arbeitsergebnisse liegt bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei der Kundenservice durch innovative Informationstechnik sichergestellt wird.

Feste Wochenarbeitszeiten gibt es nicht – die Geschäftsführung geht davon aus, dass Mitarbeiter in den mittleren Jahren mit Familie eben weniger arbeiten als jüngere. Dennoch ist das Leistungsniveau extrem hoch, und sehr hohe Bewerberzahlen belegen die Attraktivität dieses innovativen Arbeitgebers.

Erstaunlicherweise ist der Anteil der Frauen für den Ingenieurbereich mit mehr als 50% auffallend hoch. Silke Luinstra, Bundesvorsitzende des VBM und Beraterin für Beruf und Familie stellte einen neuen Ansatz zum ergebnisbezogenen Arbeiten vor: das ROWE – Results Only Work Environment. Kennzeichen dieser Arbeitsweise ist eine völlig neue Auffassung von Arbeit, nämlich nicht als Ort, den man aufsucht, sondern als Tätigkeit mit konkreten Ergebnissen. Mitarbeiter haben mehr Freiheit, so zu arbeiten, wie es ihnen entspricht, es gibt keine starren Arbeitszeiten, jedes Meeting ist optional – und niemand wird danach beurteilt, wie lange er seine Zeit im Büro verbringt oder wie viele Stunden er arbeitet. Diese Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort schafft eine völlig neue Arbeitswelt, die auf die individuellen Bedürfnisse von Mitarbeitern Rücksicht nimmt. Dies klingt utopisch, doch der amerikanische Elektronikkonzern Best Buy, IBM, Siemens und GAP haben diese Arbeitsweise in ihrem Unternehmen bereits umgesetzt – und konnten so z.B. die Fluktuation von Mitarbeitern extrem reduzieren, Geld sparen, da sie weniger Büroflächen benötigten und – im Fall von Best Buy – die Produktivität um 35 % erhöhen.

Für eine familienbewusste Arbeitswelt! Nicht nur der VBM widmet sich dem Thema Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort. Z.B. greifen das Bundesfamilienministerium und die DIHK mit ihrer Initiative „Erfolgsfaktor Familie“ das Thema „Familienfreundliche Arbeitszeiten“ auf (www.erfolgsfaktor-familie.de). Und auch in den Lokalen Bündnissen für Familie wird dieses Thema bundesweit immer wieder diskutiert.

Quellen:

Info des Zukunftsforum Familie e.V. vom 17.10.2011 (www.zukunftsforum-familie.de)

Pressemitteilung Verband berufstätiger Mütter e.V. vom 04.10.2011








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