Bildung ist ein Menschenrecht

16 12 2014

AWO bietet Sprach- und Orientierungskurse für Flüchtlinge an

"WIR"-Kurs kommt bei den Teilnehmern und Bürgermeistern gut an

Kommt gut an – „WIR“-Kurs in Höchstenbach

Die AWO Bildung und Arbeit Westerwald gemeinnützige GmbH forciert das Recht auf Bildung und bietet in diesem Jahr im Rahmen des landesweiten Projektes „WIR – Willkommen und Rheinland Pfalz“ Sprach- und Orientierungskurse für Flüchtlinge im Westerwald an. In Kooperation mit der Verbandsgemeinde Hachenburg, der Ortsgemeinde Höchstenbach und dem Flüchtlingsnetzwerk begann Mitte November ein neuer Kurs in Höchstenbach. Peter Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hachenburg: „Wir versuchen alles, dass die Menschen bei uns gut ankommen können. Hachenburg heißt sie herzlich willkommen.“
Das „WIR“-Projekt wurde durch die Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Landesverband der Volkshochschulen, der Evangelischen Erwachsenenbildung und der Landesarbeitsgemeinschaft „anderes lernen“ Rheinland- Pfalz ins Leben gerufen. Es richtet sich an Flüchtlinge ab 16 Jahren und soll diese dabei unterstützen, trotz ihrer schwierigen Lage in Deutschland Fuß fassen und für sich und ihre Familien ein neues Leben aufbauen zu können. Hierzu werden zum einen grundlegende Deutschkenntnisse und zum anderen Basiswissen für die Bewältigung des Alltags in der Bundesrepublik vermittelt.
Das Modellprojekt in Höhr-Grenzhausen im letzten Sommer zeigte, dass auch die Heranführung an die bestehenden Hilfe- und Unterstützungsnetzwerke im Westerwaldkreis ein wichtiger Bestandteil des Kurses ist. Thilo Becker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, ist erfreut über das Angebot der AWO und betrachtet den Kurs als wichtigen und wertvollen Baustein der Verbandsgemeinde in der Arbeit mit Flüchtlingen.
Thorsten Siefert, Geschäftsführer der AWO Bildung und Arbeit Westerwald gGmbH: „Fast alle Flüchtlinge stammen aus Kriegs- oder Krisengebieten, viele sind durch Erfahrungen in ihren Heimatländern oder auf der Flucht sehr schwer traumarisiert.“ „Umso mehr freuen wir uns, dass aufgrund des großen Erfolges des Modellprojektes nun ein weiterer Kurs im Westerwald stattfinden kann. Wir bemühen uns, das Projekt auch im nächsten Jahr fortführen zu können“, so Siefert weiter.
Finanziert wird das Projekt durch den Europäischen Flüchtlingsfond, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie das Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz.





Mittel sinken, Bedarf steigt: Migrationsberatung ist unentbehrlich

15 09 2014

Berlin, 15. September 2014. In deutschen „Migrationsberatungsstellen für erwachsene Zuwanderinnen und Zuwanderer“ (MBE) ist die Zahl der Ratsuchenden seit 2011 um 57 Prozent gestiegen. Die Mittel für das bundesweite Beratungsprogramm sind jedoch gesunken. Am heutigen Aktionstag der MBE will die Arbeiterwohlfahrt auch auf diesen Widerspruch und die Leistung der Beratungsstellen aufmerksam machen.

„Steigende Einwanderungszahlen und die Aufnahme von Flüchtlingen verstärken auch zukünftig den Bedarf an einem guten Beratungsangebot. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag festgehalten, dass jeder Neuzuwanderer die Gelegenheit zu einem Erstgespräch über Angebote zur Integration bekommen soll. Das ist eine richtige Entscheidung, sie muss aber auch mit entsprechenden Mitteln unterfüttert werden“, erklärt das AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker.

Das Beratungsprogramm „Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderinnen und Zuwanderer“ (MBE) ist vor zehn Jahren als Nachfolgeprogramm aus den Bundesprogrammen „Soziale Beratung und Betreuung von Aussiedlern“ und „Ausländersozialberatung“ hervorgegangen. Die sozialpädagogische Beratung und Begleitung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte steht dabei im Zentrum. So wird auch gesellschaftliche Teilhabe möglich. „In den Beratungsstellen erhalten die Zuwanderer Zugänge zu wichtigen Informationen zum Beispiel über Sprachkurse, den Arbeitsmarkt und über Bildungs- und Qualifizierungsangebote“, hebt Döcker hervor.

In rund 570 Beratungsstellen in Trägerschaft der Freien Wohlfahrtspflege wurden 2013 rund 160 000 Personen beraten, während es 2011 noch 100 000 waren. Gleichzeitig hat sich der Bundeszuschuss für die MBE seit 2005 von 27 Millionen auf 26,2 Millionen Euro reduziert. Nur durch Eigenmittel können derzeit die Trägerverbände die professionelle Arbeit vor Ort sichern. Mit den kontinuierlich steigenden Lohn- und Lohnnebenkosten sowie steigenden Miet- und Energiekosten wachsen jedoch diese Beträge. „Es muss klar ausgesprochen werden, dass die wirtschaftliche Lage viele Beratungsstellen vor extreme Herausforderungen stellt und sogar ihre Existenz bedroht. Es wäre fatal das nahezu flächendeckende Angebot der Beratungsstellen nicht aufrecht zu erhalten. Das sollte die Politik erkennen und handeln“, unterstreicht das Vorstandsmitglied.

Damit die MBE weiterhin ihre Aufgaben erfüllen kann, braucht es eine verstärkte Bundesförderung. Sie muss sich – wie in den „Förderrichtlinien der MBE“ vorgesehen – an der neu angesetzten Personalkostenförderung des Bundes für das Jahr 2015 orientieren und sollte um mindestens sieben Millionen Euro erhöht werden.





Weltflüchtlingstag: Deutschland muss Beschlüsse umsetzen

20 06 2014

Berlin, 20. Juni 2014. „Die jüngsten Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen alarmieren: 51,2 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Die Bundesrepublik muss sich ihrer Verantwortung gegenüber diesen Menschen stellen“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Um auf die Situation und das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag erklärt. Die Zahl der Flüchtlinge wird weltweit angesichts der zahlreichen Konflikte weiter zunehmen. „Umso dringender müssen Politiker für eine großzügigere Aufnahme und Schutzgewährung von Flüchtlingen eintreten“, hebt das Vorstandsmitglied hervor.

Als Wohlfahrtsverband unterstützt die AWO auf vielfältige Weise ankommende Flüchtlinge in Deutschland. „Unsere Gliederungen bieten Hilfesuchenden durch persönliche, ehrenamtliche und auch professionelle Hilfe Schutz. Damit versuchen sie die ohnehin schwere Ankunft in Deutschland für die Menschen zu erleichtern“, erklärt Döcker. Dieses Engagement hat in der AWO lange Tradition, deren Mitglieder in der Zeit des Nationalsozialismus selbst leidvolle Erfahrungen mit Flucht und Verfolgung gemacht haben.

„Damit jedoch den Menschen geholfen werden kann, muss den Flüchtlingen an den EU Außengrenzen anders begegnet werden. Ziel darf nicht die Abschottung sein, sondern dass sie sicher auf unseren Kontinent gelangen. Darüber hinaus braucht es ein faires und verständnisvolles Asylverfahren und keine überbordende Bürokratie. Flüchtlingspolitik muss endlich menschlich sein“, betont das Vorstandsmitglied. Deshalb tritt die AWO dafür ein, Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer als gemeinsame europäische Aufgabe zu organisieren.

Die deutsche Zivilgesellschaft zeigt derzeit eine enorme Bereitschaft, Schutzsuchende aus akuten Krisengebieten aufzunehmen und zu versorgen. Zu oft versteckt sich jedoch die Politik hinter fadenscheinigen Zusagen wie im Falle der mittlerweile angekündigten 20 000 Aufnahmeplätze für Syrer. „In Wirklichkeit zieht sich die Aufnahme der syrischen Flüchtlinge unnötig in die Länge“, weiß Döcker zu berichten. Geflüchtete Syrer, die ein Visum auf eigene Faust in Nachbarländern ihrer Heimat beantragen, werden durch bürokratische Auflagen an der Einreise gehindert.

Zudem leistet AWO International als Fachverband der Arbeiterwohlfahrt beispielsweise in Syrien humanitäre Hilfe. 2,6 Millionen Menschen sind dort aufgrund des Bürgerkrieges in die Nachbarländer geflohen und über 6 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. AWO International hat in Zusammenarbeit mit Partnern 120 000 Binnenflüchtlinge nahe Damaskus unterstützt. Zu den Projektmaßnahmen gehörten unter anderem die Versorgung mit Trinkwasser und die Verteilung von Hygieneartikeln. Zudem wurden in Aleppo dringend benötigte Medikamente für Krankenstationen verteilt und Menschen medizinisch versorgt. In den Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, welche AWO International in Asien und Südamerika umsetzt, spielt das Thema Sichere Migration eine zunehmend bedeutendere Rolle. Hier werden migrationswillige Menschen, die ihr Zuhause aus den unterschiedlichsten Gründen verlassen, auf ihre Situation, ihre Rechte und Lebensbedingungen im Zielland vorbereitet.





Syrischer Bürgerkrieg: Vereinfachte Aufnahmeverfahren dringend nötig

31 05 2014

Berlin, 30. Mai 2014. „Die Ankündigung des Außenministers Frank-Walter Steinmeier, weitere 10.000 Flüchtlingen aus Syrien aufzunehmen, ist sehr erfreulich“, erklärt das AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Für die AWO ist es nun entscheidend, dass mehr Länder den fliehenden Syrern Zuflucht und Asyl gewähren. Derzeit sind es vor allem die Nachbarländer, die zahlreiche Flüchtlinge aufnehmen. So hat alleine Libanon mit nur viereinhalb Millionen Einwohnern bereits eine Million Flüchtlinge des Bürgerkrieges aufgenommen. „Die Europäische Union und insbesondere auch Deutschland muss hier endlich aktiver werden“, fordert Döcker.

„Zugleich ist eine Entbürokratisierung der Aufnahmeverfahren in der Bundesrepublik dringend vonnöten. Denn in der Praxis sind die Hürden oft viel zu hoch“, unterstreicht das Vorstandsmitglied. Derzeit sind Hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bundesweit in den Migrationsfachdiensten der AWO damit beschäftigt, Familienangehörige von hier lebenden Syrern nach Deutschland zu holen. Insbesondere die komplizierten Verfahrenswege stellen eine große Herausforderung dar. „Bereits zu Beginn des Prozesses ist es äußerst schwer, die notwendigen Termine zum Vorsprechen in der Botschaft zu bekommen. Diese braucht man jedoch, um notwendige Papiere zu erhalten“, hebt Döcker hervor.

Das Auswärtige Amt könnte die Weichenstellungen und die aufwendigen Prüfungen bei der Visavergabe in den Botschaften verändern. Die Vorschläge der Wohlfahrtsverbände sollten hier aufgegriffen werden. Ein wichtiger Schritt wäre es den § 36 des Aufenthaltsgesetzes anzuwenden. Dieser bietet zumindest für einige der Betroffenen eine Lösung. So kann Familienangehörigen zur Vermeidung einer außergewöhnlichen Härte eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden. Dieser Paragraph wird jedoch von Ausländerbehörden und Ministerien weitestgehend ignoriert. „Es geht nun dringend darum, schnelle, pragmatische Lösungen zu finden und den Ankündigungen wirksame Taten folgen zu lassen“, schließt das Vorstandsmitglied ab.





AWO Einschätzung zum Koalitionsvertrag

29 11 2013

Wir brauchen ein soziales Deutschland!

Berlin, 28. November 2013. „Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD ist die Grundlage für unsere fachliche Einschätzung. Entscheidend ist, ob die sozialen Missstände in unserer Gesellschaft konsequent angegangen werden“, erklärt AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Klar ist: „Für eine sozial gerechte Gesellschaft brauchen wir dringend Investitionen ins Soziale“, ergänzt Stadler. Deshalb sind die anberaumten Ausgaben in Höhe von 40 Milliarden zu begrüßen, gleichwohl deren Finanzierung nachdenklich stimmt. Insbesondere die Kostendeckung von 23 Milliarden Euro aus den Sozialversicherungen ist bedenklich. „Wenn man nachhaltige Sozialpolitik machen und die dringend notwendigen Investitionen solide finanzieren will, wird man um Steuererhöhungen für die obersten Prozent der Gesellschaft nicht umhin kommen“, führt der Bundesvorsitzende aus. Vor allem fehlen konkrete Vorschläge wie die Arbeit in den Kommunen gestärkt wird. Die abschließende Bewertung des vorgelegten Koalitionsvertrages für die 18. Legislaturperiode erfolgt nach den fachlichen Positionen der Arbeiterwohlfahrt. Der angelegte Maßstab ist der AWO Forderungskatalog, der 20 zusammengefasste zentrale Forderungen umfasst. Zu einigen Bereichen sind bereits jetzt erste Tendenzen auszumachen.

Bildung, Betreuung, Erziehung

Die zusätzlichen sechs Milliarden Euro für Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und Hochschulen der Länder sind richtig. Von einer substanziellen Verbesserung im Bereich Kindertagesbetreuung findet sich im Koalitionsvertrag nichts. So fehlt das Vorhaben eines bundesweiten Qualitätsgesetzes. Es fehlt eine regelhafte finanzielle Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten für Kitas.

Pflege

Die AWO begrüßt die Aussagen zu den kurzfristigen Leistungsverbesserungen (beispielsweise der Ausbau der Betreuungskräfte, Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds etc.). Positiv zu bewerten ist die Stärkung der ambulanten Pflege. Ein weiterer positiver Aspekt ist der Ausbau der zehntägigen Pflegezeit als Lohnersatzleistung analog zum Kinderkrankengeld mit Rechtsanspruch. Die klare Aussage zur Umsetzung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes wird begrüßt. Unklar bleiben aber der Zeitpunkt und die Finanzierung der Umsetzung. Im Vertrag steht nur, dass die Umsetzung in einem zweiten Schritt geschehen soll und „nur“ 0,2 Prozentpunkte kosten soll. Bisherige Berechnungen, die versprechen, dass niemand weniger bekommt, gehen aber von Kosten aus, die 0,4 – 0,5 Prozentpunkte bedeuten würden. Das Grundsatzproblem der Pflegeversicherung, ihre systembedingte Einnahmeschwäche, wird leider nicht gelöst. Die Finanzierungslücke wird regelmäßig wieder auf der Agenda stehen und es sind immer höhere Belastungen durch die Erwerbstätigen zu schultern, während andere Einnahmen verschont bleiben.

Kinder, Frauen, Familie

Die Anhebung des steuerlichen Entlastungsbetrags für Alleinerziehende ist zu begrüßen. Es ist genauso erfreulich, dass der Koalitionsvertrag mit dem Programm „Perspektive Wiedereinstieg“ den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen und Männern regelt. Der Koalitionsvertrag enthält leider keine Aussagen zu Kinderfreibeträgen, Kinderzuschlag, Ehegattensplitting oder Betreuungsgeld – hier sehen wir als AWO weiterhin dringenden Handlungsbedarf.

Beschäftigungspolitik

Die Stärkung der Branchenmindestlöhne über das Arbeitnehmerentsendegesetz ist zu begrüßen. Dasselbe gilt für den Beschluss, dass ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden soll. Hier fehlen jedoch weitere Informationen und konkrete Umsetzungsschritte. Dasselbe gilt für das geplante Rückkehrrecht aus Teilzeitarbeit in Vollzeitarbeit sowie für die Einschränkungen von Werkverträgen. Die AWO dringt auf eine schnelle Umsetzung und weitere Reformen wie etwa eine Eindämmung von Minijobs, die im Koalitionsvertrag noch fehlen.

Arbeitsmarktpolitik

Positiv zu bewerten ist, dass die Verhandlungspartner eine Erhöhung des Eingliederungstitels in Höhe von 1,4 Mrd. Euro vorsehen. Gleichwohl können damit die Kürzungen der vergangenen Jahre nicht kompensiert werden. Für die Gruppe der rund 400.000 Langzeitarbeitslosen, die absehbar keine Chance auf einen Job haben, fehlen geeignete Instrumente. Zielführend wären Investitionen in Fort-, Weiterbildung und sozialpädagogische Begleitung. Das geplante Programm des Europäischen Sozialfonds, mit dem Arbeitgeber durch Lohnkostenzuschüsse angeregt werden sollen Langzeitarbeitslose einzustellen, wird bereits getestet und läuft äußerst schleppend. Die AWO fordert seit langem einen sozialen Arbeitsmarkt mit sinnvoller Beschäftigung, langfristigen Perspektiven und einer professionellen Begleitung für die Betroffenen. Dies muss als Regelinstrument ausgestaltet sein und nicht als Zusatzleistung über den ESF.

Alterssicherung

Der Koalitionsvertrag sieht bedauerlicherweise keine Änderungen der jetzigen Rentenanpassungsformel vor, die unweigerlich zu noch weiteren Absenkungen des Rentenniveaus führt. Die jetzt beschlossene Regelung eines abschlagsfreien Rentenbezugs mit 63 Jahren nach 45 Versicherungsjahren trägt nicht zur Verringerung der Altersarmut bei. Das Konzept der solidarischen Lebensleistungsrente ist zwar von der Zielrichtung richtig, bringt jedoch für die Menschen insgesamt zu wenig. Problematisch ist die Bedarfsprüfung, die eventuell sogar doppelt vollzogen wird. Etwa dann, wenn trotz allem noch Ansprüche auf Grundsicherung im Alter geltend gemacht werden. Zudem sind die Anspruchsvoraussetzungen sehr eng gefasst. Die AWO fordert ein einfaches Freibetragsmodell: In der Grundsicherung müssen Rentenfreibeträge eingeführt werden. Die Verbesserung bei der so genannten „Mütterrente“ ist grundsätzlich zu begrüßen. Die Anhebung der Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder um einen Punkt ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Die Mehrkosten von über sechs Milliarden Euro sind jedoch aus Steuermitteln zu finanzieren. An den Kosten für die Kindererziehung sind auch diejenigen zu beteiligen, die keine Beiträge in der gesetzlichen Rentenversicherung leisten. Richtig ist die Verbesserung für die Bezieher von Erwerbsminderungsrenten. Sie sind in den letzten Jahren deutlich unter die Grenze der Grundsicherung im Alter gerutscht. Insofern ist die Änderung der Regelung bei den Zurechnungszeiten zu begrüßen. Insgesamt scheinen die Maßnahmen in Bezug auf die Alterssicherung ungeeignet, Altersarmut zu verhindern und Lebensstandards zu sichern.

Migration

Wir begrüßen die Abschaffung der Optionspflicht für die hier geborenen Kinder von Migranten. Bedauerlicherweise werden die nicht in Deutschland geborenen Kinder nicht berücksichtigt. Darüber hinaus erfreut die verabredete Bleiberechtsregelung als wichtige Verbesserung. Zu kritisieren ist die Beibehaltung des Asylbewerberleistungsgesetzes, die Unterbringung in Lagern, das Festhalten an der Residenzpflicht und das Sachleistungsprinzip. Im gesamten Koalitionsvertrag fehlen klare Aussagen zur Bekämpfung von Rassismus in Deutschland.





Betreuungsgeld schafft Bürokratiemonster und verhindert Bildungsgerechtigkeit

10 11 2012

Berlin„Von der versprochenen Wahlfreiheit sind wir mindestens 220.000 Betreuungsplätze* entfernt“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler im Hinblick auf die morgige Bundestags-Abstimmung über das Betreuungsgeld. Zudem sei völlig unklar, wie es in der Praxis umgesetzt werden wird: „Soll die öffentliche Verwaltung dann monatlich kontrollieren, ob das Kind tatsächlich zu Hause betreut wird? Das ist doch grotesk, damit schaffen wir ein Bürokratiemonster“, gibt Stadler zu bedenken und ergänzt: „In die Entscheidung, ob ein Kind zu Hause oder in einer Kita betreut wird, darf der Staat nicht eingreifen, indem er Geld dafür bietet, ein öffentliches Angebot nicht anzunehmen.“

„Eine frühzeitige Betreuung ist insbesondere für den Spracherwerb wichtig“, betont Stadler in Bezug auf die Tatsache, dass nur 14 Prozent* der unter dreijährigen Kinder mit einem Migrationshintergrund in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut werden. „Es ist trauriger Fakt, dass neben der soziale Herkunft, der Migrationshintergrund in Deutschland eine entscheidende Rolle für die Bildungschancen von Kindern spielt. Nur eine frühe Förderung schafft gerechte Bildungsvoraussetzungen für alle Kinder.“ Erfahrungen aus Norwegen und Thüringen hätten gezeigt, dass genau die Kinder, die am meisten von einer frühen Förderung profitieren würden, zu Hause gelassen würden.

Und auch die so genannte Bildungskomponente, die das Betreuungsgeld ergänzen soll, mache das Betreuungsgeld nicht besser. „Anstatt Arbeitsplätze in Kitas zu fördern, werden diese nun in der öffentlichen Verwaltung und in der Versicherungswirtschaft entstehen“, kommentiert Stadler den  zusätzlichen bürokratischen Aufwand, den das Betreuungsgeld und die Bildungskomponente verursachen. „Von den 15 Euro für das Bildungssparen profitieren nur gut situierte Familien. Die anderen nehmen die 100 bzw. 150 Euro, weil sie sie brauchen“, betont Stadler und fordert deshalb: „Die geplanten Mittel für das Betreuungsgeld müssen dafür in die Hand genommen werden, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der ab August 2013 gelten wird, sicherzustellen.“

*Quelle: Statistisches Bundesamt





AWO-Umfrage: Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund verbessern

2 07 2012

Aktuelle Umfrage des AWO Sozialbarometers

Berlin, 02. Juli 2012. „Bildung ist der Schlüssel, um Armut zu verhindern. Deshalb benötigen alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft – die gleichen Chancen auf Bildungserwerb“, fordert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Bei der Frage, ob Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, die gleichen Chancen haben, wie Kinder mit deutschen Eltern, herrscht laut dem neuesten AWO-Sozialbarometer* in der Bevölkerung Uneinigkeit. Immerhin 43 Prozent glauben, dass Migrantenkinder weniger Bildungschancen haben.

„Je früher man die Kinder an Bildung heranführt, desto besser“, zeigt sich Stadler überzeugt. So werde viel zu häufig übersehen, dass Bildung schon im frühkindlichen Bereich eine wichtige Rolle spiele. Vor allem beginne hier der Spracherwerb. „Eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in der Kindertagespflege oder in einer Kindertagesstätte hat gerade deshalb für die Integration und für die spätere Fähigkeit der Bildungsaneignung für Kinder aus nicht deutschsprachigen Haushalten, einen  unschätzbarem Wert“, betont Stadler. Der ab August 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz auch für Kinder mit Migrationshintergrund sei ein Meilenstein und müsse unbedingt eingehalten werden. Hier komme es vor allem auf die  Jugendämter vor Ort an, die bei Familien mit Migrationshintergrund für eine Kinderbetreuung massiv werben sollten. Denn klar sei auch, so der AWO Bundesvorsitzende: „Kinder aus fremdsprachigen Haushalten, die frühzeitig einen Kindergarten besucht haben, werden es in den nachfolgenden Bildungseinrichtungen sicher viel einfacher haben.“

Die AWO engagiert sich für den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz im Rahmen ihrer Kampagne: „jetzt schlägt´s 13“. Mehr Infos unter: www.kita-kampagne.awo.org.

Weitere Informationen zum Sozialbarometer unter www.awo-sozialbarometer.org

 

*Die AWO fragte 1.000 Menschen: Haben Ihrer Meinung nach Kinder von Zuwanderern in Deutschland, bessere, schlechtere oder dieselben Bildungschancen wie Kinder mit deutschen Eltern?  Die Studie wurde von TNS-Infratest durchgeführt. Weitere Informationen unter www.awo-sozialbarometer.org








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