Fachkräftepotenziale vor Ort erkennen ‑ Sprachförderung in der Altenpflege

3 04 2014

Berlin, 03. April 2014. „Die Debatte um fehlende Fachkräfte in der Altenpflege sucht zu schnell die Lösung in der Anwerbung. Damit wird der Blick für die zahlreichen vorhandenen Potenziale hierzulande verstellt“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Einen wichtigen Beitrag zur Hebung dieser Potenziale, leistet das von der AWO durchgeführte Projekt „Fachsprache Deutsch in der Altenpflege“ (FaDA). Am heutigen Tag findet die Abschlusstagung nach dreijähriger Laufzeit statt. Das erfolgreiche Projekt der AWO, das aus Mitteln des Programmes rückenwind“ des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert wurde, entwickelte und erprobte die Qualifizierungsreihe FaDA. Diese zielt darauf ab, Pflegekräfte mit Migrationshintergrund in der Fachsprache und der berufsbezogenen Kommunikation für eine berufliche Weiterentwicklung zu befähigen.

„Wenn wir über Fachkräftebedarf reden, wird häufig nicht bedacht, dass bereits bis zu 70 Prozent Pflegekräfte mit Migrationshintergrund in der Altenpflege arbeiten. Genau hier haben wir mit dem Projekt angesetzt“, hebt Döcker hervor. In Deutschland arbeiten zahlreiche Pflegekräfte als Hilfskräfte, die über akademische Berufsabschlüsse verfügen. Diese wurden aus unterschiedlichen Gründen nicht anerkannt – oft auch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse. Dieses Potenzial genau wie die Kompetenzen aus der Interkulturalität der Beschäftigten, wollen wir mit unserem Angebot der Sprachförderung in berufsbezogenen Schulungen wertschätzen und fördern“, betont Döcker.

Der Titel der heutigen Tagung lautet: „Pflege ist Kommunikation“. Denn für die Arbeiterwohlfahrt fußt professionelles pflegerisches Handeln immer auf zugewandter Beziehungsarbeit und zugewandter Kommunikation mit den zu pflegenden Menschen. Darüber hinaus erfordert eine gute Pflege Kooperation, Koordination und Kommunikation im Team und mit anderen relevanten Akteuren. Der in der Qualifizierung erworbene sichere Umgang mit Sprache, stärkt das Selbstverständnis und das Selbstbewusstsein der Pflegekräfte. Zum Projektende steht nun ein Handbuch für Lehrende und Bildungsanbieter zur Verfügung. Zudem bietet die AWO Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie für Dozentinnen und Dozenten an.

 

Weitere Informationen finden sie unter: http://fada.awo.org/home/





Fortschrittsbericht –Rahmenbedingungen sind ungenügend

25 01 2013

Berlin. „Nach wie vor bleiben die Potentiale zu vieler Menschen ungenutzt“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die Haupterkenntnis des heute vom Bundekabinett gebilligten Zwischenberichtes des Fachkräftekonzeptes der Bundesarbeitsministerin. Einen wichtigen Grund, warum viele junge und ausländische Menschen im Arbeitsmarkt außen vor bleiben, sieht Stadler in mangelnden Kita-Plätzen: „Alle Förderprogramme und Entwicklungsstrategien für Arbeitssuchende helfen wenig, wenn Eltern keinen guten Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen. Deshalb darf an der Einführung des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr nicht gerüttelt werden.“

Auch dort, wo die Bundesregierung vermeintliche Erfolge herausstellt, sieht die Realität nach Einschätzung der AWO vielfach ganz anders aus. Es ist zwar richtig, dass die Frauenerwerbsquote gestiegen sei. Aber, so führt Stadler aus, das ist in erster Linie auf eine Zunahme von Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen sogar um mehr als eine halbe Millionen gesunken. „Wenn die Regierung es ernst meint mit der Bekämpfung des Fachkräftemangels, dann sind echte Reformen gefragt“, erklärt Stadler und ergänzt: „Die AWO fordert Entgeltgleichheit und diskriminierungsfreie Tarifverträge sowie eine verbindliche Quotenregelung, um einen neuen Weg einzuschlagen.“ Gefragt seien zudem Arbeitszeitmodelle, die auch die Ausübung anspruchsvoller Tätigkeiten mit Familienaufgaben in Einklang bringen. „Das Ehegattensplitting, das die geringer Verdienenden beim Steuerabzug schlechter stellt und ein altes Rollenmodell zementiert, gehört endlich abgeschafft“, meint Stadler.

Im Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept geht es auch um die so genannte qualifizierte Zuwanderung. „Die Qualifizierung der hier lebenden  Bürger mit Migrationshintergrund darf nicht vernachlässigt werden“, fordert Stadler. Er sieht einen Hauptgrund warum viele Bürger mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten haben, ihren Platz im deutschen Arbeitsmarkt zu finden darin, dass das Anerkennungsgesetz von ausländischen Berufsqualifikationen unterschiedlich umgesetzt werde. Das führe zu erheblichen Unsicherheiten seitens der Betroffenen. Zudem fehle vielerorts ein entsprechend notwendiges Beratungsangebot. Selbst wenn, die Anerkennung gelinge, fehle den Menschen häufig eine Perspektive. „Dem Fachkräftemangel kann nur begegnet werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und am Beispiel Kita-Ausbau sieht man, dass es noch eine Menge zu tun gibt“, erklärt der AWO Vorsitzende abschließend.





Erziehermangel: AWO Bundesverband fordert verbesserte Rahmenbedingungen für Fachkräfte und Träger

19 07 2012

Berlin, 19. Juli 2012. „Vielerorts können bereits heute Krippengruppen nicht eröffnet und Einrichtungen nicht ausgebaut werden, weil es an qualifizierten Erziehern fehlt“, bestätigt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker das Ergebnis des heute vorgestellten „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung. Doch, dass das Problem allein mit dem Personalstamm der Kitas gelöst  werden könne, bezweifelt Döcker. „Rund 97 Prozent der Fachkräfte sind weiblich. Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, dass alle Erzieherinnen Vollzeit arbeiten wollen. Auch Kindertageseinrichtungen müssen sich in Bezug auf ihre Fachkräfte dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellen“, betont Döcker. Dennoch sei es aufgrund der rechtlichen Strukturen der Trägerfinanzierung nicht allen Einrichtungen möglich, den Frauen, die Vollzeit arbeiten möchten, auch entsprechende Verträge anbieten zu können.

Darüber hinaus müsse überlegt werden, wie mehr Frauen, aber auch Männer für den Erzieherberuf gewonnen werden können. „Als Trägerin von über 2.200 Kitas kennt die AWO das Problem des Fachkräftemangels sehr gut“, erklärt Döcker. Die Gründe dafür seien vielfältig. So sei die Ausbildung mit bis zu fünf Jahren deutlich zu lang und zu wenig praxisorientiert. Auch sei die Vergütungsstruktur im Bereich der Kindertageseinrichtungen und mehr noch in der Kindertagespflege den anspruchsvollen Aufgaben nicht angemessen. „Im Wettbewerb um Fachkräfte hat der Kinderbetreuungsbereich damit immense Nachteile“, kritisiert Döcker und fordert auf das Betreuungsgeld zu verzichten: „Mit den geplanten Mitteln des Betreuungsgeldes könnten bis zu 50.000 Erzieherstellen geschaffen werden*.“

Für die Betreuung der Kleinsten gelten Tagesmütter und –väter als eine gute Alternative. „Leider wird die Kindertagespflege von Fachkräften noch zu selten als Tätigkeit mit attraktiven Arbeitsbedingungen wahrgenommen. Initiativen wie Festanstellungen von Tagesmüttern oder -vätern zu unterstützen, sind  dabei begrüßenswert, aber nur ein Anfang“, betont Döcker. Zudem müssten beispielsweise die Möglichkeiten der berufsbegleitenden Ausbildung für Kindertagespflegepersonen weiter verbessert werden.

Die AWO setzt sich im Rahmen ihrer Kampagne „jetzt schlägt´s 13“ für den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz und damit für mehr Kita-Plätze bei hoher Betreuungsqualität ein.  Mehr Infos unter: www.kita-kampagne.awo.org

 

*Schon im kommenden Jahr stehen im Bundeshaushalt 400 Mio. Euro für das Betreuungsgeld zur Verfügung – wenn man dieses Geld verwenden würde, um das dringend erforderliche zusätzliche Personal zu bezahlen, dann könnte man damit mehr als 10.500 Erzieher finanzieren. Und noch eindrucksvoller dann die Möglichkeiten ab 2014, den ab diesem Jahr stehen 1,2 Mrd. Euro pro Jahr  im Bundeshaushalt. Damit könnten fast 32.000 Fachkräfte mehr finanziert werden. Und sollte die Prognose zutreffen, dass es tatsächlich 1,9 Mrd. Euro pro Jahr werden, da mehr Eltern als angenommen das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen (müssen), dann wären sogar 50.000 neue Erzieherstellen finanzierbar!





Erzieherberuf: Umschulungen lösen das Problem nicht

10 07 2012

Berlin, 10. Juli 2012. „Die AWO begrüßt die Initiative der Bundesagentur für Arbeit, mehr Arbeitssuchende zum Erzieherberuf umzuschulen“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker, fügt aber hinzu: „Grundlegende Voraussetzung ist aber die persönliche Eignung und der freie Wunsch der Menschen diesen Beruf ergreifen zu wollen. Auch kann der  anspruchsvolle Erzieherberuf nicht in einer Schnellqualifizierung erlernt werden.“ Das grundsätzliche Problem des Erziehermangels würde auch der Vorschlag der Bundesagentur für Arbeit nicht lösen. „Der Erzieherberuf ist für viele junge Menschen zu unattraktiv. Das müssen wir ändern“, fordert Döcker.

So sei die Ausbildung mit bis zu fünf Jahren deutlich zu lang. Zudem müsse die Ausbildung praxisorientierter ausgestaltet werden. Die Vergütungsstruktur im Bereich der Kindertageseinrichtungen und mehr noch in der Kindertagespflege ist den anspruchsvollen Aufgaben nicht angemessen. „Im Wettbewerb um Fachkräfte hat der Kinderbetreuungsbereich damit immense Nachteile“, kritisiert Döcker.

Die Arbeit in Kindertageseinrichtungen sei in den vergangenen Jahren immer komplexer und anspruchsvoller geworden. Die Entwicklung einer inklusiven und partizipativen Grundhaltung, die Umsetzung von Bildungsplänen, die präzise Beobachtung und Dokumentation, verstärkte Sprachförderung und die gezielte Förderung von Kindern unter drei Jahren sind wesentliche Aspekte, die hier von den Fachkräften zu berücksichtigen wären. „Für diese pädagogisch anspruchsvolle Arbeit werden gut ausgebildete Fachkräfte benötigt. Nur sie können eine hohe Qualität der Kindertagesbetreuung sicherstellen“, stellt Döcker abschließend klar.





Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung muss eingehalten werden

30 04 2012

Vom Betreuungsgeld könnten bis zu 50.000 Erzieherstellen  finanziert werden

Berlin, „Jetzt schlägts´13! Der Kita-Ausbau geht viel zu langsam voran“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. „Es ist völlig unklar, wie der ab August 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gewährleistet werden soll. Die Plätze reichen hinten und vorne nicht“, moniert Stadler und ergänzt: „An dem Rechtsanspruch darf trotzdem nicht gerüttelt werden. Wer solche Zusagen macht, der muss sie auch einhalten.“ Vielen Kommunen fehle nicht nur Geld für den Bau von neuen Kitas, sondern auch für die Bezahlung von Fachkräften. „Mit den geplanten Mitteln des Betreuungsgeldes könnten bis zu 50.000 Erzieherstellen geschaffen werden*. Damit könnten wir einen enormen Qualitätssprung in der frühkindlichen Bildung und Betreuung vollziehen“, erklärt der renommierte Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Sell.

Als Trägerin von über 2.200 Kitas in ganz Deutschland erhebt die AWO  „AWO-Forderungen zur Umsetzung des Rechtsanspruches auf Kindertagesbetreuung zum 1. August 2013“. Hierin fordert die AWO einen Ausbau, der dem tatsächlichen Betreuungsbedarf entspricht, aber gleichzeitig die hohe Qualität der Kindertagesbetreuung garantiert. Darüber hinaus fordert die AWO, ausreichende und flexible Betreuungszeiten, und Beitragsfreiheit für alle Kinder, damit diese gleiche Chancen auf frühkindliche Bildung und Betreuung, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Wohnort haben.

„Die Beschäftigen in unseren Einrichtungen sind tagtäglich mit den Sorgen und Nöten von Eltern in Berührung. Sie erleben nahezu täglich verzweifelte Eltern auf der Suche nach einem Betreuungsplatz, die leider vertröstet werden müssen. In vielen Einrichtungen sind die Wartelisten so lang, das es keinen Sinn mehr macht, sie fortzuführen“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende und Prof. Dr. Sell ergänzt: „Die für das Betreuungsgeld geplanten Mittel gehören in den Kita-Ausbau. Nur so kommen die Mittel bei denjenigen an, die sie wirklich brauchen.“ Der Bund könnte so zum Beispiel besonders klamme Kommunen beim Ausbau unterstützen.

Die AWO wird in Kürze eine Kampagne zur Umsetzung des Rechtsanspruches starten. Unter dem Motto „jetzt schlägt´s 13 – wer zusagt muss auch aufmachen“ will die AWO für die Umsetzung des Rechtsanspruches werben.

*Schon im kommenden Jahr stehen im Bundeshaushalt 400 Mio. Euro für das Betreuungsgeld zur Verfügung – wenn man dieses Geld verwenden würde, um das dringend erforderliche zusätzliche Personal zu bezahlen, dann könnte man damit mehr als 10.500 Erzieher finanzieren. Und noch eindrucksvoller dann die Möglichkeiten ab 2014, den ab diesem Jahr stehen 1,2 Mrd. Euro pro Jahr  im Bundeshaushalt. Damit könnten fast 32.000 Fachkräfte mehr finanziert werden. Und sollte die Prognose zutreffen, dass es tatsächlich 1,9 Mrd. Euro pro Jahr werden, da mehr Eltern als angenommen das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen (müssen), dann wären sogar 50.000 neue Erzieherstellen finanzierbar!

Download des Positionspapiers.

 





Verband berufstätiger Mütter e.V. : „Ich kann kommen und gehen wann ich will!“

18 10 2011

Ergebnisorientiertes Arbeiten – von der Utopie zum Erfolgsmodell für familienbewusste Unternehmen. Das Topthema des Verbands berufstätiger Mütter (VBM) hat es in sich: „Effizienz statt Präsenz“ fordert nicht weniger als die Abschaffung der Präsenzkultur in deutschen Unternehmen. Was steckt dahinter? Lange Anwesenheit fördert die Karriere, vor allem abends. Auch die Teilnahme an Meetings ist ein Karrierefaktor. Nur dann glauben Kollegen und Vorgesetzte, dass man etwas tut für das Unternehmen. Angestellte werden zudem nach abgeleisteten Arbeitsstunden bezahlt, selten nach Leistung oder Ergebnissen. Das heißt: Wer von morgens bis abends im Unternehmen präsent ist, muss wohl sehr engagiert sein und wahrscheinlich auch besser als die weniger präsenten Kolleginnen und Kollegen, oder? Menschen, die z.B. aufgrund familiärer Verpflichtungen weniger präsent sein können, haben also das Nachsehen.Diese Arbeitskultur benachteiligt viele Frauen – aber auch Männer – mit Kindern, die nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen. Weniger anspruchsvolle Aufgaben, geringere Karrierechancen und ein niedrigeres Gehalt sind Ausdruck dieser Benachteiligung. Deshalb fordert der VBM hier von den Arbeitgebern ein Umdenken. Ergebnisbezogenes Arbeiten nützt Unternehmen Der sich anbahnende Fachkräftemangel in Deutschland zwingt Unternehmen, stärker auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen und zukunftsfähige Konzepte für die Gestaltung der Arbeitswelt zu entwickeln. Viele benötigen mehr Freiraum, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Doch auch Menschen ohne familiäre Verpflichtungen werden sich in Zukunft für die attraktivsten Arbeitgeber entscheiden, und flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten steht gerade bei sehr gut ausgebildeten Fachkräften hoch im Kurs. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort und die Förderung ergebnisbezogenen Arbeitens bringen weitere Vorteile: Effizienz und Produktivität steigen, wenn der Arbeitstag entzerrt wird, und Mitarbeiter sind ausgeglichener und motivierter, wenn sie ihre Zeit eigenverantwortlich gestalten können.

Arbeiten frei von Zeit und Raum – das Lübecker Symposium setzt Zeichen: Gemeinsam mit der Beratungsstelle „Wirtschaft und Familie“ der IHK zu Lübeck veranstaltete der VBM am 02. September 2011 das Symposium „Moderne Zeiten – arbeiten frei von Zeit und Raum“. Experten, Wissenschaftler und Unternehmer diskutierten hier das Für und Wider einer flexiblen Arbeitswelt. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die lebhaften Diskussionen belegen, dass mit diesem Thema ein Nerv bei den Unternehmensverantwortlichen getroffen wurde. Vor allem die Beispiele aus der Praxis zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich ergebnisorientiertes Arbeiten, flexible Arbeitsstrukturen und eine ernst gemeinte Mitarbeiterorientierung umgesetzt werden können – und das zum Teil mit sehr einfachen Maßnahmen.

Zum Beispiel gilt in der Volksbank Lübeck nun die Devise „Zielverantwortung statt Anwesenheitsprämie“, flexible Arbeitszeitmodell sind möglich und individuelle Lösungen für die Mitarbeitenden werden unbürokratisch gefunden.

Bei dem großen Berliner Ingenieurbüro hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH wird die Präsenz im Büro zur Nebensache. Die Verantwortung für die Arbeitsergebnisse liegt bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei der Kundenservice durch innovative Informationstechnik sichergestellt wird.

Feste Wochenarbeitszeiten gibt es nicht – die Geschäftsführung geht davon aus, dass Mitarbeiter in den mittleren Jahren mit Familie eben weniger arbeiten als jüngere. Dennoch ist das Leistungsniveau extrem hoch, und sehr hohe Bewerberzahlen belegen die Attraktivität dieses innovativen Arbeitgebers.

Erstaunlicherweise ist der Anteil der Frauen für den Ingenieurbereich mit mehr als 50% auffallend hoch. Silke Luinstra, Bundesvorsitzende des VBM und Beraterin für Beruf und Familie stellte einen neuen Ansatz zum ergebnisbezogenen Arbeiten vor: das ROWE – Results Only Work Environment. Kennzeichen dieser Arbeitsweise ist eine völlig neue Auffassung von Arbeit, nämlich nicht als Ort, den man aufsucht, sondern als Tätigkeit mit konkreten Ergebnissen. Mitarbeiter haben mehr Freiheit, so zu arbeiten, wie es ihnen entspricht, es gibt keine starren Arbeitszeiten, jedes Meeting ist optional – und niemand wird danach beurteilt, wie lange er seine Zeit im Büro verbringt oder wie viele Stunden er arbeitet. Diese Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort schafft eine völlig neue Arbeitswelt, die auf die individuellen Bedürfnisse von Mitarbeitern Rücksicht nimmt. Dies klingt utopisch, doch der amerikanische Elektronikkonzern Best Buy, IBM, Siemens und GAP haben diese Arbeitsweise in ihrem Unternehmen bereits umgesetzt – und konnten so z.B. die Fluktuation von Mitarbeitern extrem reduzieren, Geld sparen, da sie weniger Büroflächen benötigten und – im Fall von Best Buy – die Produktivität um 35 % erhöhen.

Für eine familienbewusste Arbeitswelt! Nicht nur der VBM widmet sich dem Thema Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort. Z.B. greifen das Bundesfamilienministerium und die DIHK mit ihrer Initiative „Erfolgsfaktor Familie“ das Thema „Familienfreundliche Arbeitszeiten“ auf (www.erfolgsfaktor-familie.de). Und auch in den Lokalen Bündnissen für Familie wird dieses Thema bundesweit immer wieder diskutiert.

Quellen:

Info des Zukunftsforum Familie e.V. vom 17.10.2011 (www.zukunftsforum-familie.de)

Pressemitteilung Verband berufstätiger Mütter e.V. vom 04.10.2011





AWO-Presseinfo: Fachkräftemangel ist ein Problem

11 10 2011


„Es ist bedenklich, wenn in Teilen der medialen Öffentlichkeit momentan der aktuelle und auch künftige Fachkräftemangel in der Pflege in Frage gestellt wird“, so AWO Vorstand Brigitte Döcker. „Rückfragen in unserem Verband zeigen, dass Fachkräftemangel ein relevantes Thema ist – in Gegenwart und Zukunft“, betont Döcker. Das Gefährliche an der Verneinung sei die damit verbundene Botschaft an alle Akteure, weiterhin die Hände in den Schoß legen zu können. Dies sei jedoch unverantwortbar. „Für Regionen mit bestehendem Fachkräftemangel, in denen Pflegeeinrichtungen mit Wartelisten nicht in Betrieb genommen werden können, klingt das beinahe zynisch“, so der AWO Vorstand.

Notwendig sei eine differenzierte Darstellung hinsichtlich regionaler Unterschiede, desspezifischen  Bedarfs in der Altenhilfe, zukünftiger Entwicklungen (u.a. Renteneintritte) oder der tatsächlichen Verfügbarkeit von Fachkräften.

„Wir als AWO möchten weiterhin Leistungen mit hoher Qualität garantieren. Die Politik und alle Akteure sind aufgefordert, gemeinsam in Ausbildung, Qualifizierung und gute Rahmenbedingungen für Pflege zu investieren. Die Weichen dazu müssen heute gestellt werden“, fordert Brigitte Döcker.

 

 








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