Gleichstellung: ein uneingelöstes Versprechen

4 08 2014

Berlin. „Was so verheißungsvoll beginnt, entpuppt sich im weiteren Lebensverlauf als trügerische Hoffnung für viele Frauen“, kommentiert der AWO Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler die jüngst veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Denn während Mädchen öfter höhere Bildungsabschlüsse erzielen als ihre männlichen Altersgenossen, sind sie oftmals bereits bei Berufseintritt finanziell benachteiligt. „Frauen verdienen heute durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer“, erklärt Stadler. Die Ursachen hierfür liegen auch in der geschlechtsspezifischen Berufswahl. Berufseinsteigerinnen wählen oftmals Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich oder im sozialen Sektor aus, die mit einer geringeren Entlohnung und einer geringeren gesellschaftlichen Wertschätzung einhergehen. „Deshalb ist es richtig, dass wir auch weiterhin für eine gerechte Entlohnung und eine gesellschaftliche Anerkennung der Sozialen Arbeit streiten. Ein wesentlicher Baustein ist der von uns geforderte Entgelttarifvertrag Soziales“, hebt der Vorstandsvorsitzende heraus.

Ein weiterer Grund für die aufklaffende Lücke zwischen Frauen und Männern liegt in der hohen Teilzeitbeschäftigungsquote von Frauen und den zunehmenden atypischen Beschäftigungsverhältnissen. „Zudem leisten Frauen den Löwenanteil unbezahlter Fürsorgearbeit im Bereich Erziehung und Pflege“, analysiert Stadler. So haben beispielsweise 96 Prozent aller Mütter und nur 29 Prozent aller Väter im Jahr 2012 das Elterngeld in Anspruch genommen. Insgesamt 81 Prozent der teilzeittätigen Mütter reduzierten ihre Arbeitszeit aufgrund persönlicher oder familiärer Verpflichtungen.

Aus dieser unzureichenden Gleichstellung folgt für die Frauen eine erhöhte Armutsgefährdung im Alter. „Jede vierte Frau ab 65 Jahren muss mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 900 Euro auskommen. Deshalb können die aktuellen Reformvorhaben, wie eine Frauenquote in Führungspositionen, nur einen kleinen Baustein auf dem Weg zur umfassenden geschlechtergerechten Politik darstellen“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende. Die Arbeiterwohlfahrt fordert, dass die Empfehlungen des Gutachtens zum ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung von 2011 konsequent in die Tat umgesetzt werden. „Eine moderne Gleichstellungspolitik braucht neben dem Abbau traditioneller Rollenverständnisse eine vernünftige Arbeits- und Sozialpolitik für Frauen. Dazu zählt auch atypische Beschäftigungsverhältnisse einzudämmen und ein Entgeltgleichheitsgesetz einzuführen“, schließt Stadler ab.

Der aktuelle Bericht des Statistischen Bundesamtes ist abrufbar unter:
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2014/Gleichstellung/begleitheft_Gleichstellung_2014.pdf;jsessionid=140BDBE5A90B67AB034C8A868C991FCA.cae1?__blob=publicationFile

Werbeanzeigen




Kinderbetreuung: Mangel liegt bei unter Dreijährigen

13 09 2012

Berlin, 12. September 2012. „Diese Zahl ist absolut erfreulich, doch am riesigen Mangel an Betreuungsplätzen für die unter Dreijährigen ändert das nichts“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute vom Statistischen Bundesamt bekanntgegebene Zahl, wonach 89 Prozent aller Dreijährigen in Deutschland eine Kita besuchen. Trotz der derzeit noch mindestens 235.000 fehlenden Plätze für die unter Dreijährigen, dürfe die Qualität nicht aufgeweicht werden. „Die Qualität der Betreuung legt den Grundstein für die Bildungslaufbahn eines Kindes“, betont Stadler und ergänzt: „Die Bundesregierung muss ihre Bildungsinvestitionen in Kinder und Jugendliche erhöhen.“

Zudem zeigten die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Betreuungsquote zwischen den einzelnen Bundesländern große Unterschiede. Für den AWO Bundesvorsitzenden: „Ein Ergebnis der fehlenden einheitlichen Bildungsplanung.“ Zudem könne man nicht erkennen, ob die Zahlen den tatsächlichen Bedarf oder aber nur das Angebot an Betreuungsplätzen abbilden. „Ziel muss es sein, dass alle Eltern, die es wünschen, einen hochwertigen Betreuungsplatz für ihr Kind finden“, fordert Stadler und warnt zugleich: „Konsequenz der jahrelangen Untätigkeit der Politik darf es nicht sein, Plätze auf Kosten der Qualität zu schaffen.“

Die AWO engagiert sich mit ihrer Kampagne: „jetzt schlägt´s 13“ für mehr Betreuungsplätze bei hoher Betreuungsqualität.

Mehr Infos unter: www.kita-kampagne.awo.org





Zu wenige Langzeitarbeitslose profitieren von Arbeitsmarktentwicklung

1 02 2012

Der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler erklärt zur neuesten Beschäftigungsstatistik und den Angaben des Bundesarbeitsministeriums zu den Langzeitarbeitslosen:

Berlin, 31. Januar 2012. „Wenn im Jahr 2011 nur 14,9 Prozent aller Langzeitarbeitslosen eine feste Anstellung finden konnten, geht die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt an zu vielen  Menschen vorbei. Die Spaltung des Arbeitsmarktes wird sich weiter verfestigen, wenn die Bundesregierung sich nicht stärker bemüht, Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Mit der derzeitigen Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik kommen wir aber an den harten Kern der Arbeitslosigkeit überhaupt nicht heran. Dafür muss Frau von der Leyen dringend ein neues Konzept entwickeln.

Langzeitarbeitslosigkeit kann durchaus erfolgreich bekämpft werden. Dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen in den letzten Jahren so zurückging, zeigt doch, dass die Fördermittel gut angelegt waren. Es war ein schwerer Fehler, im Zuge der Arbeitsmarktreform genau die arbeitsmarktpolitischen Instrumente zu beschneiden, die langzeitarbeitslose und besonders benachteiligte Menschen unterstützen.

Wir brauchen einen Sozialen Arbeitsmarkt, der denen, die bislang von den gesellschaftlichen Entwicklungen abgehängt werden, Möglichkeiten bietet, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Wir müssen Menschen eine Perspektive geben, auch und gerade dann, wenn eine direkte Integration in den ersten Arbeitsmarkt erst einmal nicht realistisch erscheint.“





7,5 Millionen Menschen auf staatliche Leistungen angewiesen

29 11 2011

Berlin, 29. November 2011. „Der Rückgang ist auf jeden Fall sehr erfreulich“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler angesichts der heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Angaben zu Empfängern von Leistungen der sozialen Mindestsicherung. „Doch wir können uns nicht damit zufrieden geben, dass trotz der sehr guten wirtschaftlichen Ausgangslage 7,5 Millionen Bürger auf die finanzielle Hilfe des Staates angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu sichern“, betont Stadler und fügt hinzu: „Es ist absolut möglich, die Zahl der Betroffenen noch viel stärker zu senken. Was wir dafür benötigen, ist die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns, die Eindämmung des Minijobsektors, die Rentenversicherungspflicht für alle bisherigen Minijobs,  und die Rücknahme der Kürzungen bei der Arbeitsförderung im Zuge der Arbeitsmarktreform.

Zur staatlichen Mindestsicherung gehören vor allem die Grundsicherung für Arbeitssuchende (Hartz-IV) und die Grundsicherung im Alter. Von Altersarmut werden zukünftig immer mehr Menschen betroffen sein. „Wer heute schon kein ausreichendes Einkommen hat, wird später von seiner Rente nicht leben können“, erklärt Stadler. So zum Beispiel gebe es immer mehr Minijobber. Für sie gelte eine freiwillige Rentenabgabe. „Das reicht nicht. Wir benötigen eine Rentenversicherungspflicht für alle Minijobber. Nur so können alle Beschäftigten für ihr Alter vorsorgen“, betont Stadler und erklärt: „Altersarmut ist eine zwangsläufige Folge dieser Beschäftigungsverhältnisse.“ Auch das in der letzten Woche beschlossene Gesetz zur Arbeitsmarktreform verhindere, dass sich noch mehr Menschen aus ihrer Hartz-IV-Abhängigkeit befreien können.








%d Bloggern gefällt das: