Inobhutnahmen – Kinderschutz nicht als reinen Kostenfaktor betrachten

9 08 2013

Berlin, 07. August 2013. „Die aktuelle Statistik spiegelt auf drastische Weise wieder, dass sich viele familiäre Strukturen unter einer Dauerbelastung befinden“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute veröffentlichten Zahlen des Statischen Bundesamtes für vorläufige Schutzmaßnahmen durch das Jugendamt. Demnach wurde 2012 ein neuer Rekordstand erreicht: Für über 40.000 Kinder und Jugendliche musste das Jugendamt zumindest übergangsweise die Obhut übernehmen. Nicht  einmal jedes zweite Kind (39 Prozent) konnte danach zu seinen Eltern zurück. „Mehr Inobhutnahmen bedeuten mehr Kosten. Doch Jugendhilfe muss zuerst die Menschen im Blick haben und darf nicht auf die Finanzen fixiert sein. Hilfe und Unterstützung für Eltern und Kinder darf nicht nach marktwirtschaftlichen Prinzipien organisiert werden.“

Dass die Zahl der Inobhutnahmen seit Jahren kontinuierlich steigt, weist aber nicht nur auf eine Überforderung von Eltern hin, sondern zeigt, dass auch die Hilfestrukturen dringend verstärkt werden müssten. In der Realität ist das Gegenteil der Fall. So geht parallel mit den steigenden Zahlen der Inobhutnahmen der Abbau in den Jugendämtern vonstatten. „Für einen besseren Schutz von Kindern muss die Jugendhilfe besonders in den Jugendämtern personell besser ausgestattet werden, um verstärkt präventiv und planvoll handeln zu können“, fordert Stadler. Häufig seien die Jugendämter überlastet und könnten deshalb ihre Gesamtverantwortung nicht stemmen.

Die AWO fordert immer wieder den Ausbau der professionellen Hilfe. „Freie Träger haben bei Eltern einen Vertrauensvorschuss und können – so es sie gibt – oft frühzeitiger als die Jugendämter, durch Beratung und Unterstützung helfen“, betont Stadler. Statt reguläre Hilfen zur Erziehung der freien Träger auszubauen, würden aber von der öffentlichen Hand Eingriffsmaßnahmen und sehr teure Intensivtäter-Projekte finanziert. „Eltern bzw. die Sorgeberechtigten benötigen mehr Präventions- oder Regelangebote von hoher Qualität. Das fängt bei einer verbesserten Kindertagesbetreuung an und geht bis zu einer guten Zusammenarbeit von Jugendhilfe mit Schule, “ erklärt der AWO Bundesvorsitzende und ergänzt: „Es darf nicht immer ums Sparen gehen. Das Kindeswohl muss vorrangig sein.“

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Kinderschutz wird endlich ernst genommen

15 12 2011

„Mit der Einigung im Vermittlungsausschuss ist ein entscheidender Schritt getan, um den Einsatz von Familienhebammen nachhaltig zu sichern und so vor allem Kleinkinder von Beginn an vor Vernachlässigung, Verwahrlosung, Gewalt und Missbrauch zu schützen“, so AWO Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler. „Bundestag und Bundesrat müssen nun die vereinbarte Regelung in ihren morgigen Sitzungen zügig verabschieden, damit diese ab dem 1.1.2012 wie geplant in Kraft treten kann“, fordert der AWO Bundesvorsitzende.

Der Bund und die Länder hatten sich im Vermittlungsausschuss vom 14.12.2011 auf eine verlässliche Finanzierung der Bundesinitiative Familienhebammen und des Netzwerks Frühe Hilfen geeinigt: Für die Unterstützung junger Familien in schwierigen Lebenslagen stehen demnach in 2012 und 2013 30 bzw. 45 Millionen Euro zur Verfügung, ab 2014 dauerhaft 51 Millionen Euro zur Verfügung. „Im nächsten Schritt müssen ergänzende Regelungen im Bereich des Gesundheitswesens in Angriff genommen werden“ so Stadler, denn gelingender Kinderschutz sei nur in gemeinsamer Verantwortung aller Beteiligter denkbar und „liegt nicht nur in der Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe“.





Kinderschutzgesetz mit Mängeln

27 10 2011

Berlin, 27. Oktober 2011. „Flächendeckend Frühe Hilfen schon im Zeitraum der Schwangerschaft und in der ersten Lebensphase als Anspruch einzuführen, ist absolut richtig“, betont  der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich der heutigen Bundestagsabstimmung über das Kinderschutzgesetz. Darüber hinaus begrüßt Stadler, dass der Bund die Länder zumindest in Bezug auf die Familienhebammen dauerhaft finanziell unterstützen möchte. Doch das Gesetz hat Schwachpunkte. So fehle der individuelle Rechtsanspruch auf Frühe Hilfen im Jugendhilfebereich. Und der Forderung des Bundesrates, Frühe Hilfen als „gemeinsame Aufgabe sowohl der Kinder- und Jugendhilfe, als auch des Gesundheitsbereichs“ im Gesetz zu verankern, wurde von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums mit Schweigen begegnet. „Das ist ein lähmender Strukturfehler, erklärt Stadler, denn „Kindeswohl und Kindesgesundheit gehören zusammen.“

Im Interesse der besonders belasteten Familien wäre es notwendig, dass Frauenkliniken, Geburtsstationen und Haus- und Kinderärzte so früh wie möglich genauso Hilfeleistungen erbringen müssen, wie es von den Jugendämtern verlangt wird. Doch durch seine Verweigerungshaltung trägt das Bundesgesundheitsministerium die Verantwortung für einen Strukturfehler, der  sich im Einzelfall lebensgefährdend auf die Gesundheit von betroffenen Kindern auswirken kann. „Hier muss dringend nachgebessert werden“, fordert Stadler. Zudem müssten Krankenkassen gesetzlich verpflichtet werden, regelmäßige Präventionsleistungen, wie zum Beispiel eine Verlängerung der Hebammenleistungen auf sechs Monate zu übernehmen. Im Interesse der Schwächsten und damit im Interesse für die Gesellschaft. Denn: „wer früh hilft, hilft besser – und viel billiger obendrein“, erklärt Stadler.





AWO begrüßt geplantes Kinderschutzgesetz

27 09 2011

Berlin, 27. September 2011. „Das geplante Gesetz bietet vor allem jungen Eltern viele Chancen“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die beabsichtigte Einführung eines Bundeskinderschutzgesetzes. „Doch leider fehlt Eltern im bisherigen Entwurf ein Rechtsanspruch auf Frühe Hilfen“, kritisiert Stadler. Zudem fordert er, dass sich auch das Bundesgesundheitsministerium in den laufenden Gesetzgebungsprozess einbringen müsse: „Eine gelingende Umsetzung ist ohne das Gesundheitssystem nicht denkbar.“

Mit dem Gesetz sollen rechtliche Grundlagen zur Förderung eines gesunden Aufwachsens und für den besseren Schutz von Kindern vor Missbrauch und Verwahrlosung geschaffen werden. Problematisch könne aber die Finanzierung des Gesetzes werden, denn die soll bei den notorisch klammen Kommunen liegen. „Bund und Länder müssen finanzielle Verantwortung übernehmen, um die Kommunen nicht weiter zu überfordern“, betont Stadler. So müsse zum Beispiel noch geklärt werden, wie „die verbindliche Zusammenarbeit in Netzwerken Früher Hilfen finanziell und personell unterlegt und abgesichert wer­den soll“, betont Stadler abschließend.








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