Betreuungsgeldergänzungsgesetz: Kinder haben nichts davon

13 05 2013

Berlin, 13. Mai 2013. Zur heutigen öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum so genannten Betreuungsgeldergänzungsgesetz erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler: „Die beste Investition von Staat und Eltern in Kinder ist die Investition in frühkindliche Bildung, wie sie in jedem Kindergarten mit hoher Betreuungsqualität, tagtäglich erbracht wird. Das Betreuungsgeldergänzungsgesetz lehnt die AWO ab, weil hiermit das Fernhalten der Kinder aus der Bildungseinrichtung Kita noch höher prämiert wird, als es das Betreuungsgeld ohnehin schon tut.
Die Ergänzungsprämie nützt nur wohlhabenden Familien und der Versicherungswirtschaft. Das Argument, dass hiervon auch Hartz-IV-Bezieher profitieren können, verfängt nicht, da die Kinder- und Jugendämter weder zur Information, noch zur Unterstützung der Antragsberechtigten für den erheblichen bürokratischen Aufwand verpflichtet werden. Zudem darf bezweifelt werden, dass es sich viele Hartz-IV-Empfänger nach Auslaufen der Förderungsdauer von zwei Jahren leisten können, diese Versicherung für ihre Kinder weiter zu finanzieren. Eine Rentenversicherung, die aber über 60 Jahre brach liegt, nützt nur der Versicherungswirtschaft.
Das Betreuungsgeld hält Kinder von der Kita fern. Besonders Kinder aus fremdsprachigen und bildungsfernen Haushalten profitieren von einem Kitabesuch, da sie dort die deutsche Sprache erlernen, die ihnen später eine erfolgreiche Schullaufbahn ermöglicht. Deshalb plädiert die AWO für die Abschaffung des Betreuungsgeldes und fordert, diese Mittel in einen qualitativ hochwertigen Ausbau der Kinderbetreuung zu investieren.“

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Unicef-Studie: Starke Bildungsinstitutionen können Kinder stärken

10 04 2013

Berlin, 10. April 2013. „Zu viele Kinder wachsen in Armut auf und noch mehr Kinder haben Zukunftsangst“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute von UNICEF veröffentlichte „Studie zur Lage der Kinder in Industrieländern 2013“, nach der deutsche Kinder zwar leistungsstark, aber eher unglücklich wären. „In Deutschland hängt der Bildungserfolg zu sehr vom Elternhaus ab. Dieser Trend hat sich nicht nur verfestigt, sondern verstärkt“, kritisiert Stadler und fordert: „Wir müssen die Bildungsinstitutionen – beginnend bei der Kita –  stärken, damit diese den Kindern geben können, was Familien eventuell nicht leisten können.“

Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich einen guten sechsten Rang belegt, sind viele Aspekte in der Kinder- und Jugendpolitik verbesserungswürdig. So verharre beispielsweise seit Jahren die Zahl junger Menschen von 19-29 Jahren ohne anerkannte Berufsausbildung bei ca. 1,5 Millionen. Ein Hauptschulabschluss ermögliche kaum noch Zugang zu einer anerkannten Berufsausbildung. „Der  Druck auf Kinder und Jugendliche, einen möglichst guten Schulabschluss zu erhalten, führt zu dem subjektiven Empfinden, dass eine Anerkennung der eigenen Person nur durch schulische Leistungen erreicht werden kann. Zukunftsängste sind die Folge“, fürchtet Stadler.

 

Ein weiteres nach wie vor ungelöstes gesellschaftliches Problem sei die Kinderarmut. „Wir brauchen eine an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientierte Förderung sowohl in der Schule, als auch in der  Kinder- und Jugendarbeit“, fordert Stadler. Daneben müssten die wirtschaftlich schwachen Familien materiell besser ausgestattet, und ggf. durch kostenfreie Förderangebote für die Kinder unterstützt werden. „Die Kommunen müssen wieder mehr Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Kinder übernehmen. Ziel muss es sein, dass alle Kinder die gleichen Chancen bekommen, nur so können die heute oft berechtigten Zukunftsängste vieler Kinder und -Jugendlicher abgebaut werden“, betont der AWO Bundesvorsitzende abschließend.

 





Kinderarmut: Einrichtungen für Kinder und Jugendliche ausbauen und stärken

25 09 2012

Berlin, 25. September 2012. „Die Folgen von Kinderarmut zu bekämpfen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich der heutigen Vorstellung der Langzeitstudie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) „Von alleine wächst sich nichts aus …“ Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I* in der Bundespressekonferenz. „Armut, das hat die in der Bundesrepublik bisher einzigartige Langzeitstudie leider bewiesen, ist der größte Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, fasst die Studienleiterin Gerda Holz vom ISS zusammen. Neben einer Unterstützung der Eltern, sieht Stadler in der Stärkung von Einrichtungen, wie Kitas, Jugendzentren und Familienberatungen eine Lösung: „Starke Institutionen können Kindern das bieten, was sie zu Hause eventuell nicht bekommen können.“
Die Langzeitstudie der AWO begleitete 900 Kinder vom Vorschulalter an über einen Zeitraum von 15 Jahren und untersuchte ausführlich die qualitativen Folgen von Armut auf die Entwicklung dieser Kinder. Die entscheidenden Faktoren, die über das Aufwachsen von Kindern bestimmen, so fand die Studie heraus, sind das Einkommen und der Bildungshintergrund der Eltern und die Familienform, in der das Kind aufwächst. „Um Armut zu verhindern, müssen Eltern über sichere Arbeit mit armutsfesten Löhnen und über Betreuungs- und Bildungsangebote für ihre Kinder verfügen, damit diese ganztägig qualitativ gut versorgt werden“, betont Stadler.
„Wenn jedes zweite Kind, das 1999 arm war, seitdem in Dauerarmut lebt, muss die Frage nach den Möglichkeiten staatlichen Handelns neu gestellt werden“, fordert Stadler. Denn, das zeige die Studie ganz deutlich, die bloße Verbesserung von materieller Armut helfe Kindern nicht, der Armutsfalle zu entkommen. „Einrichtungen für Kinder und Jugendliche müssen mehr Verantwortung für deren Entwicklung übernehmen. Nur so können soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit hergestellt werden“, ist der AWO Bundesvorsitzende sicher.
„Das Netz von Institutionen, die Familien, Kindern und Jugendlichen beratend und unterstützend zur Seite stehen, muss so dicht werden, dass jede Familie, die Hilfe benötigt, diese auch bekommt. Dafür muss die Zahl der pädagogischen Fachkräfte entsprechend erhöht werden. Jeder Euro, der in Kinder investiert wird, muss als Investition in die Zukunft verstanden werden“, betont Stadler abschließend.

* „Von alleine wächst sich nichts aus …“ Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I; Abschlussbericht der 4. Phase der Langzeitstudie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO), durchgeführt vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS).
Die Studie erforschte als Wiederholungsbefragung die Lebenslagen und Zukunftsperspektiven von fast 900 Kindern, die erstmals als 5- bzw. 6-jährige im Kindergarten und 2009 bzw. 2010 als 16-/17 Jährige letztmals befragt wurden.





ZFF: Das Ehegattensplitting muss weg. Aber das Familiensplitting ist keine Alternative!

31 08 2012

Anlässlich der aktuellen Debatte um das Ehegattensplitting erklärt Christiane Reckmann, Vorsitzende des Zukunftsforum Familie e.V.: „Auch das Zukunftsforum Familie (ZFF) will das Ehegattensplitting abschaffen. Es stammt aus den 50iger Jahren, als Ehe und Familie praktisch deckungsgleich waren. Davon kann heute keine Rede mehr sein, die Vielfalt von Familie nimmt zu. Das Splitting nützt Alleinerziehenden, unverheirateten Eltern oder schwul-lesbischen Paaren mit Kindern – sogenannten Regenbogenfamilien – überhaupt nichts. Aber auch das Familiensplitting ist keine Lösung! Es begünstigt Alleinverdiener mit hohem Einkommen und mehreren Kindern. Zwei Drittel aller Familien in Deutsch- land haben aber so wenig Einkommen, dass sie gar keine Steuern zahlen. Auch von einem Familien- splitting würden sie nicht profitieren.

Das ZFF fordert deshalb eine Reform der Familienförderung: Weg von der Eheförderung, weg von der Förderung über Steuern hin zu einer kindzentrierten Förderung in Form einer Kindergrundsicherung. Für Partnerschaften von Erwachsenen, ganz gleich, ob sie verheiratet, heterosexuell oder homosexu- ell sind, soll die Individualbesteuerung gelten: Es gilt für jede/n Arbeitnehmer/in die Lohnsteuerklasse I und bestehende Unterhaltspflichten werden über einen übertragbaren Grundfreibetrag berücksichtigt.“

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Quelle: Pressemitteilung Zukunftsforum Familie e.V. vom 14.08.2012

Zukunftsforum Familie e.V.

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Hartz-IV-Sätze besonders für Kinder unzureichend

13 07 2012

Berlin, 13. Juli 2012. „Auch wenn wir das Urteil natürlich respektieren, fordert die AWO dennoch eine komplette Überprüfung der Regelsätze“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker anlässlich des gestrigen Urteils des Bundessozialgerichtes, in dem die Hartz-IV-Regelsätze als verfassungskonform bestätigt wurden. „Vor allem die Regelsätze für Kinder ignorieren deren Lebenswirklichkeit komplett und müssen deshalb erhöht werden“, fordert Döcker.

 

Auch fügten sich die Regelsätze nicht mehr in das System der sozialen Vorsorge ein. „Die Bundesregierung erwartet von jedem Erwachsenen, dass er sich für sein Alter und für einen möglichen Pflegefall privat absichert, aber kein Empfänger von Sozialleistungen –  sei es vollständig oder aufstockend – kann sich diese Zusatzversicherungen leisten“, kritisiert Döcker. Überdies würden Leistungen wie Kindergeld, Elterngeld, das mögliche Betreuungsgeld und zum Teil auch BAföG, die eigentlich der Entwicklung und Bildung dienen sollen, bei Hartz-IV-Empfängern als Einkommen auf den Regelsatz angerechnet. „Damit werden besonders Kinder von Hartz-IV-Empfängern benachteiligt und um ihre Chancengleichheit gebracht“, beklagt Döcker die aktuellen Hartz-IV-Regelungen.





AWO-Umfrage: Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund verbessern

2 07 2012

Aktuelle Umfrage des AWO Sozialbarometers

Berlin, 02. Juli 2012. „Bildung ist der Schlüssel, um Armut zu verhindern. Deshalb benötigen alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft – die gleichen Chancen auf Bildungserwerb“, fordert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Bei der Frage, ob Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, die gleichen Chancen haben, wie Kinder mit deutschen Eltern, herrscht laut dem neuesten AWO-Sozialbarometer* in der Bevölkerung Uneinigkeit. Immerhin 43 Prozent glauben, dass Migrantenkinder weniger Bildungschancen haben.

„Je früher man die Kinder an Bildung heranführt, desto besser“, zeigt sich Stadler überzeugt. So werde viel zu häufig übersehen, dass Bildung schon im frühkindlichen Bereich eine wichtige Rolle spiele. Vor allem beginne hier der Spracherwerb. „Eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in der Kindertagespflege oder in einer Kindertagesstätte hat gerade deshalb für die Integration und für die spätere Fähigkeit der Bildungsaneignung für Kinder aus nicht deutschsprachigen Haushalten, einen  unschätzbarem Wert“, betont Stadler. Der ab August 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz auch für Kinder mit Migrationshintergrund sei ein Meilenstein und müsse unbedingt eingehalten werden. Hier komme es vor allem auf die  Jugendämter vor Ort an, die bei Familien mit Migrationshintergrund für eine Kinderbetreuung massiv werben sollten. Denn klar sei auch, so der AWO Bundesvorsitzende: „Kinder aus fremdsprachigen Haushalten, die frühzeitig einen Kindergarten besucht haben, werden es in den nachfolgenden Bildungseinrichtungen sicher viel einfacher haben.“

Die AWO engagiert sich für den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz im Rahmen ihrer Kampagne: „jetzt schlägt´s 13“. Mehr Infos unter: www.kita-kampagne.awo.org.

Weitere Informationen zum Sozialbarometer unter www.awo-sozialbarometer.org

 

*Die AWO fragte 1.000 Menschen: Haben Ihrer Meinung nach Kinder von Zuwanderern in Deutschland, bessere, schlechtere oder dieselben Bildungschancen wie Kinder mit deutschen Eltern?  Die Studie wurde von TNS-Infratest durchgeführt. Weitere Informationen unter www.awo-sozialbarometer.org





Sozialberufe sind kein Auffangbecken

11 06 2012

Berlin. „Es ist vollkommen richtig und schon längst überfällig, dass sich die Bundesregierung um die Schlecker-Frauen kümmert“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler angesichts des neuesten Vorschlags aus dem Bundesarbeitsministerium, fügt aber hinzu: „Die Erziehung von kleinen Kindern und die Pflege hilfsbedürftiger Menschen eignen sich aber weder für arbeitsmarktpolitische Zwangsmaßnahmen noch dafür, ungelernte Kräfte einzusetzen. Die dringend notwendige gesellschaftliche Aufwertung dieser sozialen Berufe wird mit solchen Maßnahmen nicht erreicht – ganz im Gegenteil“, gibt Stadler zu bedenken und ergänzt: „Sozialberufe dürfen nicht zu Auffangbecken werden.“

„Die AWO begrüßt es grundsätzlich, wenn Frauen und Männer ohne Zwang verstärkt auf die sinnstiftenden, aber auch verantwortungs- und anspruchsvollen Berufsfelder im Kita- und Altenpflegebereich aufmerksam gemacht werden“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende. „Qualifizierte und menschlich zugewandte Kinderbetreuung und Altenpflege – dass kann aber nicht jeder“, so Stadler. Denn die Anforderungen an die Mitarbeitenden würden höher und dazu benötige man gutbezahlte und hochmotivierte Fachkräfte. „Schnelle und billige Lösungen sind das grundsätzlich falsche Signal und können nicht die Fehler jahrzehntelanger falscher Ausbildungspolitik wieder gut machen“, betont Stadler.

Die Ausbildung zur Erzieherin dürfe nicht durch kurzfristige politische Fehlentscheidungen aufgeweicht werden. Umschulungen seien zwar generell kein falsches Instrument, man dürfe die Kitas damit aber nicht überfordern. „Für die Integration und Qualifizierung fachfremder Arbeitskräfte brauchen die Kitas durchdachte Konzepte“, erklärt Stadler. Zudem dürften zusätzliche Kräfte, solange sie noch ungelernt sind, nicht auf den Personalschlüssel angerechnet werden.

Auch in den Pflegeberufen sind die Anforderungen in den letzten Jahren enorm gestiegen: Auf der eine Seite  durch Arbeitsverdichtung und immer mehr Koordinations- und Steuerungsaufgaben, auf der anderen Seite durch die sich ändernden medizinischen und pflegerischen Bedarfe, angesichts  Demenz, Multimorbidität und die steigenden Anforderungen an die Betreuung. „Deshalb brauchen wir in der Pflege vor allem mehr gut qualifizierte Fachkräfte und weniger noch mehr angelernte Hilfskräfte, die schon jetzt 50 Prozent und mehr der Arbeitenden in der Pflege ausmachen“, betont der AWO Bundesvorsitzende abschließend.








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