Lagebericht zu Gewalt gegen Frauen verdeutlicht hohen Handlungsbedarf für den Bund

17 08 2012

Berlin, 16. August 2012. „Schutz und Hilfe bei häuslicher und sexualisierter Gewalt sind für Frauen in Deutschland vielerorts nicht ausreichend gewährleistet“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler, dass  laut dem von der Bundesregierung vorgelegten Bericht zur Situation der Schutzeinrichtungen für Frauen im Jahr 2011, 9.000 Frauen von Frauenhäusern abgewiesen werden mussten. Ursache sind die seit langem angemahnten Defizite bei der finanziellen Absicherung des Schutzes gewaltbetroffener Frauen. „Jede Frau muss einen Anspruch auf Schutz vor Gewalt haben”, fordert Stadler.

Positiv sei dagegen, dass der Bericht die hohe Qualität des bestehenden Angebotes für schutzsuchende Frauen und deren Kinder bestätigt. Dennoch müsse das derzeitige System  der Finanzierung, was einem bunten Flickenteppich gleicht, unbedingt reformiert werden. Ein unzureichender Schutz habe weitreichende negative gesundheitliche Auswirkungen, er beeinträchtigt die familiären und sozialen Beziehungen sowie die beruflichen Entwicklung der Frauen. Besonders die Kinder würden oft ein Leben lang unter den Gewalterfahrungen leiden. „Benötig wird ein mit ausreichenden Mitteln ausgestattetes Hilfe- und Unterstützungssystem, das es den Frauen ermöglicht auch in anderen Bundesländern oder Kommunen Schutz in Frauenhäusern zu finden“, betont Stadler.

Die Wohlfahrtsverbände sehen sich durch den Lagebericht in ihrer Forderung nach einer bundesweiten Regelung bestätigt und fordern einen Rechtsanspruch für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder. Das kürzlich vorgelegte Rechtsgutachten* der Wohlfahrtsverbände zeigt deutlich, dass die Bundesregierung dies regeln kann und muss. „Nur ein verbindlicher Rechtsanspruch sorgt für effektiven Schutz und schnelle Hilfe für betroffene Frauen und ihre Kinder. Die Bundesregierung darf sich nicht länger herausreden, sondern muss ihrem Schutzauftrag nachkommen und endlich handeln“, erklärt Stadler. Das von der Bundesregierung eingerichtete Hilfetelefon reiche nicht aus. Dieses Angebot könne nur das bestehende Hilfesystem ergänzen, aber nicht die offensichtlichen Lücken vor Ort füllen.

 

*„Der Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe von für Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder“ (2012), Prof. Dr. Joachim Wieland und Prof. Dr. Margarete Schuler-Harms

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Integration macht nur geringe Fortschritte

13 01 2012

 

Berlin, 12. Januar 2012. „Die Fortschritte sind zu gering. Menschen ausländischer Herkunft haben auf dem deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt noch viel zu häufig das Nachsehen“, kommentiert AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker die Ergebnisse des 2. Integrationsberichtes, den die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer heute vorstellte. „Für eine erfolgreiche Integrationspolitik benötigen wir Maßnahmen, die aufeinander abgestimmt sind. Die Bundesregierung kann nicht kritisieren, dass zu wenige Eltern mit Migrationshintergrund ihre Kinder in einer Krippe betreuen lassen und gleichzeitig ein Betreuungsgeld einführen, was genau das Gegenteil bewirken soll“, kritisiert Döcker.

 

Besonderen Handlungsbedarf weist der Bericht im Bildungsbereich nach. Auch wenn die Schulabbrecher-Quote der Jugendlichen mit Migrationshintergrund leicht gesunken sei, blieben noch zu viele junge Menschen ohne Schulabschluss. „Nach wie vor gelingt es dem Bildungssystem nicht, die Fähigkeiten der Einwandererkinder zu stärken. Ein Bildungsabschluss ist aber von immenser Bedeutung, da er erwiesenermaßen das Armutsrisiko um ein Vielfaches reduziert“, betont Döcker. Das Ziel der Bundesländer, die Zahl der Schulabbrecher bis 2012 zu halbieren, wurde damit deutlich verfehlt. „Einfach vor den Zahlen zu kapitulieren, ist keine Lösung. Hier muss dringend gegengesteuert werden“, betont Döcker und fügt abschließend hinzu: „Eine erfolgreiche Integrationspolitik ist eine Schlüsselaufgabe für den Staat und für die gesamte Gesellschaft.“








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