Equal Pay Day: Reformen sind überfällig

21 03 2013

Berlin. „In Sachen Gleichstellung ist und bleibt Deutschland ein Entwicklungsland“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich des morgigen Equal Pay Days, der auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam machen möchte. Ein Umdenken bei den Unternehmen komme ganz offensichtlich nicht von allein, deshalb würden gesetzliche Regelungen benötigt. „Entgeltgleichheit und diskriminierungsfreie Tarifverträge sind ebenso ein Muss wie eine verbindliche Quotenregelung, um eine echte Gleichstellung zu erreichen“, ist Stadler überzeugt.

Dass der Equal Pay Day seine Berechtigung hat, zeigen die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, demnach Frauen für die gleiche Arbeit im Durchschnitt 22 Prozent weniger Geld als Männer erhalten. Das diesjährige Motto „Lohnfindung in den Gesundheitsberufen – viel Dienst, wenig Verdienst““ liegt Stadler besonders am Herzen: „Gesundheits-, aber vor allem Pflegeberufe  sind unterbezahlt.“ Einer der Gründe sei der immer größer gewordene Kostensenkungsdruck im Gesundheitssektor. „Wir dürfen nicht zulassen, dass der Wettbewerb über die niedrigsten Lohnkosten geführt wird“, betont Stadler, denn darunter würden vor allem die Beschäftigten – in allererster Linie sind dies Frauen- leiden müssen. „Soziale Berufe benötigen eine höhere Anerkennung und damit eine besseren Bezahlung“, fordert Stadler.

In Sachen Gleichstellung gibt es, abgesehen vom Lohnunterschied, noch viel zu tun. Neben dem grundsätzlich notwendigen Ausbau der Kinderbetreuung seien vor allem  Arbeitszeitmodelle, die es Frauen ermöglichen, eine Führungsposition mit Familienaufgaben in Einklang zu bringen, gefragt. „Solange es auf der Führungsebene so wenige Frauen gibt, wird sich an der unterschiedlichen Bezahlung nichts ändern“, ist Stadler sicher. Erwiesenermaßen steigt der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau mit der Dauer der Erwerbstätigkeit. So erreichten bis 1955 geborene Frauen nur 42 Prozent des Lebenserwerbseinkommens der im gleichen Jahr geborenen Männer. Die Gründe sieht die AWO vor allem in der bisherigen Familien- und Steuerpolitik. Deshalb   zeigt sich Stadler erfreut, dass endlich ernsthaft darüber diskutiert würde, wie das Steuersystem so reformiert werden könne, dass das alte Rollenmodell in Familien aufgehoben wird. „Vor allem das Ehegattensplitting macht eine Berufstätigkeit von Frauen wenig attraktiv“, betont Stadler.

Im Ehegattensplitting sieht der AWO Bundesvorsitzende einen Hauptgrund dafür, dass besonders häufig Frauen Minijobs ohne eigene soziale Absicherung annehmen. Eine vom Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegebene und zuletzt häufig zitierte Studie zeigt, dass Frauen in Minijobs „gefangen“ bleiben, da daraus fast nie reguläre Beschäftigung entstünde. Für Stadler ist es deswegen absolut unverständlich, dass die Bundesregierung kürzlich die Verdienstgrenze von Minijobs auf 450 Euro angehoben hat, statt diese Beschäftigungsmöglichkeit einzudämmen. „Die Zeche zahlen dann im Alter die Betroffenen, denen Rentenansprüche fehlen und die Gesellschaft, die für Sozialleistungen aufkommen müssen“, erklärt Stadler abschließend.

 

Der Equal Pay Day findet am 21. März statt. Dieses Datum markiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um rechnerisch das Jahresdurchschnittsgehalt eines Mannes zu bekommen.

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Frauen- und familienfeindliches Deutschland: AWO fordert Politikwechsel

18 12 2012

Die OECD hat in einer aktuellen Studie bestätigt: Deutsche Frauen sind am Arbeitsmarkt besonders benachteiligt. „Diese Entwicklung kennen wir seit langem und es passiert bei den politisch Verantwortlichen leider nichts, um diese Entwicklung zu stoppen“, so der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.

Der Untersuchung zufolge verdienen Frauen weiterhin deutlich weniger als Männer, auch in vergleichbaren Positionen. Zwar arbeiten immer mehr Frauen, jedoch nur in Teilzeit und Minijobs. „So ist es auch kein Wunder, dass am Ende eine äußerst niedrige Rente steht, von der niemand leben kann“, betont Stadler.

Die AWO fordert einen überfälligen Politikwechsel durch echte Reformen: „Wir brauchen nicht nur Entgeltgleichheit und diskriminierungsfreie Tarifverträge, sondern auch eine verbindliche Quotenregelung, um einen neuen Weg einzuschlagen“, so Stadler. Gefragt seien zudem Arbeitszeitmodelle, die auch die Ausübung anspruchsvoller Tätigkeiten mit Familienaufgaben in Einklang bringen. „Dies würde es für junge Paare möglicherweise auch leichter machen, dem Wunsch nach Gründung einer Familie nachzugehen.“ Kürzlich hatte in diesem Zusammenhang eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung vor allem die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft als Grund für die sinkenden Geburtenraten noch einmal eindringlich herausgestellt.

Jenseits aller wirtschaftlichen Argumente: Die Gleichstellung der Geschlechter ist eine zentrale Frage der Gesellschaft und sie muss endlich ernsthaft gelöst werden“, fordert der AWO Bundesvorsitzende. „Umso erforderlicher ist dabei die Rücknahme von Anreizen, die das alte Rollenmodell in Familien zementieren“, so Stadler weiter.

Das Ehegattensplitting, das die geringer Verdienenden beim Steuerabzug schlechter stellt, müsse abgeschafft werden. Im bisherigen Steuer- und Sozialsystem lohne eine volle Berufstätigkeit von Frauen selten. Das wiederum führe auf Arbeitgeberseite dazu, Vorbehalte gegenüber jungen Bewerberinnen zu haben, da diese somit ein potenzielles Ausfallrisiko darstellen.

„Der so häufig und absolut zu Recht geforderte Ausbau der Kinderbetreuung ist nur einer der notwendigen Schritte zur Gleichbehandlung von Mann und Frau. Mindestens genauso wichtig ist es, dass Politik, Staat und Gesellschaft endlich die Gleichstellung von Mann und Frau anerkennen und im Alltag leben“, fordert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.

 

 

 





AWO: Reformempfehlungen der EU-Kommission ernst nehmen!

2 06 2012

Berlin. „Dass wir immer noch besser abschneiden, als andere europäische Länder täuscht über vieles hinweg, was bei uns falsch läuft“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich der gestern veröffentlichten Politikempfehlungen der EU-Kommission. Diese zeigen für Deutschland einen erheblichen Reformbedarf. Stadler fordert, die Empfehlungen der Kommission ernst zu nehmen. So wäre es „höchste Zeit, das Ehegattensplitting abzuschaffen und auf das Betreuungsgeld zu verzichten.“

Grundsätzlich sei eine moderne Familienpolitik, die allen Familien gleiche Chancen auf Bildung und Infrastrukturversorgung mit Kitas und Ganztagsschulen einräumt, wichtig. „Darüber hinaus müssen wir diskutieren, ob Vermögen und Grundbesitz in Deutschland einer höheren Besteuerung bedürfen“, erklärt Stadler. Und um dem Fachkräftemangel zu begegnen, wären Reformen nötig, die eine Erwerbsbeteiligung von Frauen steigern und die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund, gering Qualifizierten sowie älteren Arbeitnehmern fördern würden.

„Auch die Kritik der EU-Kommission an der Umsetzung der Schuldenbremse müssen wir ernst nehmen. Länder und Kommunen, Städte und Gemeinden können nicht zu ausgeglichenen Haushalten gezwungen werden, wenn es an klaren Vorgaben zur Haushaltspolitik fehlt und ein entschiedenes, international abgestimmtes Handeln ausbleibt“, betont der AWO-Bundesvorsitzende und erklärt weiter: „Wenn wir hier nicht vorankommen, führt die Schuldenbremse automatisch zu weiteren Einsparungen im sozialen Bereich. Die Zeche zahlen dann wieder die Schwächsten.“








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