2014 muss den Wert der sozialen Arbeit hervorheben!

3 01 2014

AWO sieht Wertegebundenheit als zentrales Merkmal der sozialen Arbeit der gemeinnützigen Freien Wohlfahrtspflege

„Der im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung vereinbarte flächendeckende gesetzliche Mindestlohn ist ein erster Schritt in Richtung einer gerechteren Arbeitsmarktpolitik. Darüber hinaus müssen wir weiterhin entschieden die Beschäftigten in der sozialen Arbeit stärken“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler mit Blick auf die Herausforderungen im nächsten Jahr. Die AWO hat dabei insbesondere die Rahmenbedingungen für soziale Arbeit im Blick. Diese haben sich mit der aufkommenden neoliberalen Steuerungslogik für die Leistungserbringer seit den neunziger Jahren verschlechtert. „Das gewünschte Ergebnis, durch mehr Wettbewerb effektivere soziale Arbeit zu gewährleisten und alte Strukturen auf Seiten der Einrichtungen aufzubrechen, ist längst eingetreten“, unterstreicht Stadler. „Was wir jetzt beobachten müssen, ist eine absurde Kostensenkungsstrategie zulasten der Beschäftigten. Ein unregulierter Wettbewerb im sozialen Bereich heißt häufig Einsparungen beim Personal, das hier 80 Prozent der Kosten ausmacht.“ Diese hochqualifizierten Mitarbeitenden in der sozialen Arbeit leisten beispielsweise in der Pflege oder in der Erziehung eine wertvolle und anspruchsvolle Arbeit für die Gesellschaft. Dafür müssen wir als Gemeinschaft Anerkennung aussprechen und diese auch entsprechend entlohnen.

Die AWO hat sich in den zurückliegenden Jahren verstärkt gegen diesen Trend gestemmt und Eckpunkte für ein wertegebundenes Unternehmen verabschiedet. Zentraler Bestandteil sind dabei Maßnahmen, die eine gerechte und solidarische Bezahlung aller Beschäftigten gewährleisten. „Es liegt heute auf der Hand, dass nur ein bundesweiter, allgemein verbindlicher Entgelttarifvertrag Soziales den wettbewerbsbedingten Kostensenkungsdruck aushebeln kann“, hebt der Bundesvorsitzende hervor. Hierfür muss sich die gesamte Freie Wohlfahrtspflege in der Bundesrepublik zielgerichtet einsetzen. „Das in Deutschland einmalige Subsidiaritätsprinzip ‑ nach dem eine staatliche Aufgabe soweit wie möglich von der kleineren Einheit wahrzunehmen ist ‑ darf nicht zum Kostensenkungsinstrument verkommen, in dem der Staat versucht, durch eine Konkurrenzsituation Preise zu drücken. Klar ist: Die Situation ist komplex, aber davor dürfen wir nicht zurückschrecken“, erklärt Stadler entschlossen.

Damit soziale Arbeit wertegebunden stattfinden kann, braucht es entsprechende politische Rahmenbedingungen. Denn gerade diese Wertegebundenheit ist ein zentrales Merkmal der gemeinnützigen Freien Wohlfahrtspflege. „Wir sehen uns keinesfalls nur als Dienstleister, sondern genauso als Themenanwalt für diejenigen denen wir beistehen, als Förderer zivilgesellschaftlichen Engagements und als integrative Organisation.“ Das alles leisten unsere ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Wir stehen nun am Beginn eines ganz entscheidenden Weges für die Ausgestaltung unseres Sozialstaats. Ich bin überzeugt, dass soziales Unternehmertum mit sozial gerechten Grundsätzen vereinbar ist“, schließt Stadler ab.

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Equal Pay Day: Reformen sind überfällig

21 03 2013

Berlin. „In Sachen Gleichstellung ist und bleibt Deutschland ein Entwicklungsland“, kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich des morgigen Equal Pay Days, der auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam machen möchte. Ein Umdenken bei den Unternehmen komme ganz offensichtlich nicht von allein, deshalb würden gesetzliche Regelungen benötigt. „Entgeltgleichheit und diskriminierungsfreie Tarifverträge sind ebenso ein Muss wie eine verbindliche Quotenregelung, um eine echte Gleichstellung zu erreichen“, ist Stadler überzeugt.

Dass der Equal Pay Day seine Berechtigung hat, zeigen die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, demnach Frauen für die gleiche Arbeit im Durchschnitt 22 Prozent weniger Geld als Männer erhalten. Das diesjährige Motto „Lohnfindung in den Gesundheitsberufen – viel Dienst, wenig Verdienst““ liegt Stadler besonders am Herzen: „Gesundheits-, aber vor allem Pflegeberufe  sind unterbezahlt.“ Einer der Gründe sei der immer größer gewordene Kostensenkungsdruck im Gesundheitssektor. „Wir dürfen nicht zulassen, dass der Wettbewerb über die niedrigsten Lohnkosten geführt wird“, betont Stadler, denn darunter würden vor allem die Beschäftigten – in allererster Linie sind dies Frauen- leiden müssen. „Soziale Berufe benötigen eine höhere Anerkennung und damit eine besseren Bezahlung“, fordert Stadler.

In Sachen Gleichstellung gibt es, abgesehen vom Lohnunterschied, noch viel zu tun. Neben dem grundsätzlich notwendigen Ausbau der Kinderbetreuung seien vor allem  Arbeitszeitmodelle, die es Frauen ermöglichen, eine Führungsposition mit Familienaufgaben in Einklang zu bringen, gefragt. „Solange es auf der Führungsebene so wenige Frauen gibt, wird sich an der unterschiedlichen Bezahlung nichts ändern“, ist Stadler sicher. Erwiesenermaßen steigt der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau mit der Dauer der Erwerbstätigkeit. So erreichten bis 1955 geborene Frauen nur 42 Prozent des Lebenserwerbseinkommens der im gleichen Jahr geborenen Männer. Die Gründe sieht die AWO vor allem in der bisherigen Familien- und Steuerpolitik. Deshalb   zeigt sich Stadler erfreut, dass endlich ernsthaft darüber diskutiert würde, wie das Steuersystem so reformiert werden könne, dass das alte Rollenmodell in Familien aufgehoben wird. „Vor allem das Ehegattensplitting macht eine Berufstätigkeit von Frauen wenig attraktiv“, betont Stadler.

Im Ehegattensplitting sieht der AWO Bundesvorsitzende einen Hauptgrund dafür, dass besonders häufig Frauen Minijobs ohne eigene soziale Absicherung annehmen. Eine vom Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegebene und zuletzt häufig zitierte Studie zeigt, dass Frauen in Minijobs „gefangen“ bleiben, da daraus fast nie reguläre Beschäftigung entstünde. Für Stadler ist es deswegen absolut unverständlich, dass die Bundesregierung kürzlich die Verdienstgrenze von Minijobs auf 450 Euro angehoben hat, statt diese Beschäftigungsmöglichkeit einzudämmen. „Die Zeche zahlen dann im Alter die Betroffenen, denen Rentenansprüche fehlen und die Gesellschaft, die für Sozialleistungen aufkommen müssen“, erklärt Stadler abschließend.

 

Der Equal Pay Day findet am 21. März statt. Dieses Datum markiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um rechnerisch das Jahresdurchschnittsgehalt eines Mannes zu bekommen.





AWO Bundesverband fordert allgemeine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro

26 10 2011

Berlin, 24. Oktober 2011. „Endlich kann sich die Bundesregierung nicht mehr mit den angeblich negativen Auswirkungen von Mindestlöhnen herausreden“, kommentiert AWO-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker die Ergebnisse einer Studie, die das Bundesarbeitsministerium in Auftrag gab*. „Die AWO appelliert deshalb an die Bundesregierung, nun endlich eine allgemeine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro gesetzlich festzulegen“, fordert Döcker und erklärt warum ein Mindestlohn gebraucht wird: „Ein Mindestlohn sichert Menschen eine existenzsichernde Bezahlung und er hilft, sowohl Altersarmut als auch Lohndumping zu vermeiden.“

„Anstatt Armutslöhne zu subventionieren, muss die Politik die Schaffung von regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen unterstützen und den Niedriglohnbereich stärker begrenzen“, fordert Döcker, denn „schlecht bezahlte Arbeit führt zu Altersarmut“. Auch vor dem Hintergrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit, die die AWO grundsätzlich begrüße, müsse zur Verhinderung von Lohn- und Sozialdumping das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort“ gelten. „Dafür müssen alle Branchen in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen und ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn eingeführt werden“, betont Döcker.

*Vier Forschungsinstitute untersuchten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums die Wirkungen der Mindestlöhne. Ihr Ergebnis: Die bestehenden gesetzlichen Mindestlöhne in Deutschland haben kaum negative Auswirkungen. Sie vernichten weder Arbeitsplätze, noch verzerren sie den Wettbewerb.








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