Kein Befreiungsschlag: Kabinettsbeschluss zum Kita-Ausbau

20 08 2014

Berlin, 20. August 2014. „Der heutige Kabinettsbeschluss zum Kita-Ausbau weist in die richtige Richtung und bleibt dennoch unzureichend, was das Finanzvolumen und das Tempo betrifft“, so der Vorstandsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Wolfgang Stadler. Hintergrund ist das heute vom Bundeskabinett beschlossene „Gesetz zur weiteren Entlastung von Ländern und Kommunen ab 2015 und zum quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung“.

„Mit den neuen 550 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln kann nicht einmal der wachsende quantitative Betreuungsbedarf realisiert werden“, stellt Stadler fest. Das verdeutlichen Zahlen: Die Bundesregierung geht von einem Betreuungsbedarf von 41,7 Prozent für Kinder unter drei Jahren aus. Allerdings sind derzeit nur 39 Prozent durch ausreichende Finanzmittel unterfüttert, was schon bei der Anzahl der Plätze auf ein Manko hinweist. Allein die quantitative Lücke ist nicht durch die neuen 550 Millionen zu deckeln. Ganz zu schweigen von den versprochenen qualitativen Verbesserungen oder gar einem Ausbau von Ganztagsangeboten.

„Diese tröpfchenweisen Verbesserungen verkennen, dass bereits heute der Bedarf an guten, qualitativ abgesicherten Kita-Betreuungsplätzen groß ist“, führt Stadler aus. Jüngst hatte die Bertelsmann Stiftung allein für die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels jährlich 5 Milliarden Euro an Mehrausgaben veranschlagt. Dabei darf man sich von den Summen nicht abschrecken lassen, denn es handelt sich um reine Bruttokosten. Das heißt, dass durch zusätzliche Beschäftigte beispielweise Steuern und Sozialabgaben in einem erheblichen Maß an den Bund zurückfließen.

„Dass es aus pädagogischer Sicht dringend notwendig ist, die Rahmenbedingungen zu verbessern und zu vereinheitlichen, ist unter Fachleuten unstrittig. Was fehlt ist der politische Mut nun auch folgerichtig ein bundeseinheitliches Qualitätsgesetz für Kita-Einrichtungen und die Kindertagespflege auf den Weg zu bringen. Dieser Schritt wurde auch heute verpasst“, schließt der Vorstandsvorsitzende ab.

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Pflegenotstand darf Ausbildungsqualität nicht schwächen

20 11 2012

Berlin. „Der für die Zukunft prognostizierte Pflegenotstand ist in weiten Teilen Deutschlands bereits Realität“, kommentiert AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker anlässlich einer am Wochenende publik gewordenen Studie der Bertelsmann-Stiftung. „Der Personalnotstand kann unter anderem mit einer kostenfreien Ausbildung, die zudem attraktiv vergütet wird, abgeschwächt werden“, ist Döcker überzeugt. Die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorgeschlagene Absenkung der Ausbildungszeit von drei auf zwei Jahre sieht Döcker dagegen skeptisch: „Unter Beachtung der derzeitigen Überschüsse sollte die BA die Ausbildungszeit nicht verkürzen und die Kosten für das dritte Umschulungsjahr auch noch über 2015 hinaus gewährleisten. Qualität muss vor Quantität gehen.“

Um den Personalnotstand abzuschwächen, wird ein Bündel von Maßnahmen notwendig sein, wie zum Beispiel die Einführung einer bundesweit einheitlichen und verpflichtenden Umlage zur Finanzierung der Ausbildung, was nachweislich zu höheren Bewerberzahlen führt, bessere Arbeitszeitmodelle, betriebliche Gesundheitsförderung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Wer die Zahl der Ausbildungsplätze im Pflegebereich begrenzt, handelt unverantwortlich“, kommentiert Döcker das Verhalten einiger Bundesländer und ergänzt: „In vielen Regionen kann dem Pflegenotstand noch gegengesteuert werden. Aber es muss jetzt gehandelt werden.“ Die Gründe warum Menschen einen Pflegeberuf ablehnen oder ihn frühzeitig wieder verlassen, seien seit langem bekannt. Hierzu zählen u.a. massiver Zeitdruck, Personalknappheit, mit der Folge von Überlastungen für den Einzelnen, ein permanent steigendes Maß an Administration und Bürokratie zulasten der direkten pflegerischen Sorgearbeit, unattraktive Arbeitszeitmodelle, geringe Entlohnung und ein geringes gesellschaftliches Ansehen. „Pflegende müssen wieder zufriedener mit ihrem Beruf sein können. Das wäre die beste Werbung für den Beruf“, betont Döcker.








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