Studie zeigt: Wir müssen Vorurteile gegenüber Sinti und Roma aufbrechen

3 09 2014

Berlin, 3. September 2014. „Wenn einem Drittel der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland Sinti und Roma als Nachbarn sehr oder eher unangenehm wären, dann verdeutlicht das, wie tief die Vorurteile gegenüber diesen Menschen in der Gesellschaft verankert sind“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Die heute veröffentlichte Studie „Bevölkerungseinstellungen zu Sinti und Roma“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt an vielen Stellen, dass Antiziganismus als eine Form von Rassismus in Deutschland weit verbreitet ist.

„Die Ergebnisse der Studie sind auch ein klares Signal an die Politik, dass immer wieder aufkommenden Vorurteilen mit Blick auf Sinti und Roma entschieden zu widersprechen ist. Das Gegenteil wird aber getan, wenn über die sogenannte Armutszuwanderung gesprochen wird“, unterstreicht Döcker. Erschreckend ist, dass Sinti und Roma, die seit Jahrhunderten am Rande der Gesellschaft leben müssen und struktureller Diskriminierung und Marginalisierung ausgesetzt sind, auch heute noch im Vergleich zu anderen Minderheiten die geringste Sympathie entgegengebracht wird. Diese Haltung wird durch hiesige Zuwanderungsdebatten oft verstärkt. Dabei beweisen Zahlen, Daten und Fakten in regelmäßigen Abständen, dass Sinti und Roma beispielsweise keinesfalls überdurchschnittlich oft soziale Transferleistungen erhalten. „Das zeigt, dass es alte Vorurteile sind, die hier immer wieder reaktiviert werden. Diesen muss sich jeder Einzelne entschieden widersetzen“, hebt das Vorstandsmitglied hervor.

Vor dem Hintergrund, dass 50 Prozent der Menschen denken, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten Feindseligkeiten in der Bevölkerung hervorrufen, müssen vor allem Begegnungsmöglichkeiten und Berührungspunkte geschaffen und Wissen vermittelt werden. Durch Begegnungen und Erfahrungen werden Klischees überwunden. Die AWO macht sich stark dafür, dass durch Empowerment, Mobilisierung und Partizipation, die Ressourcen und Fähigkeiten von Sinti und Roma unterstützt werden. „Wir müssen Grundlagen zur Bekämpfung der schlechten sozio-ökonomischen Situation vieler Sinti und Roma schaffen, so dass sie in diesem Land ihr Leben selbst gestalten können“, sagt Döcker.

Kurzum: Es geht der AWO um Anerkennung des Antiziganismus als Inklusionshemmnis, eine gezielte Bekämpfung ethnozentristischer Positionen und antiziganistischer Diskurse. „Es darf nicht sein, dass durch Erziehung, Medien und Politik dem Antiziganismus neue Nahrung geliefert wird. Es ist dringend notwendig mit allen verantwortlichen Akteuren mit maßgeblicher Beteiligung von Sinti- und Roma-Organisationen realistische Strategien zur Bekämpfung des weit verbreiteten gesellschaftlichen Antiziganismus zu entwickeln“, schließt das Vorstandsmitglied ab.

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