Untragbar: 62 Millionen Frauen in der EU von Gewalt betroffen

5 03 2014

Berlin, 05. März 2014. „In erschreckender Weise verdeutlichen die Zahlen der Europäischen Agentur für Grundrechte, wie sehr das Phänomen Gewalt gegen Frauen unterschätzt wird. Der rechtliche und politische Handlungsbedarf ist gewaltig“, erklärt AWO Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Zu ihren Gewalterfahrungen gefragt wurden in der jüngsten Studie 42.000 Frauen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren aus 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. 33 Prozent von ihnen haben seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens einmal körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfahren. Fünf Prozent wurden vergewaltigt. „Die Studie unterstreicht die Forderungen der Arbeiterwohlfahrt. Wir streiten seit Jahren für einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen. Genauso sind Hilfe- und Unterstützungssysteme dauerhaft zu finanzieren“, stellt Döcker klar.

Denn auch hierzulande ist das Problem unterschätzt. Frauen in Deutschland sind mit 35 Prozent häufiger von Gewalt betroffen als der EU-Durchschnitt. 22 Prozent der Befragten erlebten die Gewalt durch ihren jetzigen oder früheren Partner. Unter körperlicher Gewalt wird Herumschubsen, Stoßen, Ohrfeigen, Schläge mit der Faust, Stiche und Schüsse verstanden. Sexuelle Gewalt liegt vor, wenn Geschlechtsverkehr durch Halten und Verletzen erzwungen wird. „Unverständlich bleibt, dass Maßnahmen zum Opferschutz in vielen EU-Staaten unzureichend angewendet werden. Das erklärt, warum nur jedes dritte Opfer von Gewalt in der Partnerschaft und jedes vierte Opfer außerhalb der Partnerschaft die Vorfälle der Polizei meldet“, zeigt sich das Vorstandsmitglied unzufrieden.

Ein weiteres alarmierendes Ergebnis der Studie ist die hohe Belästigungsrate am Arbeitsplatz. 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen haben durch Kollegen oder Vorgesetze sexuelle Belästigung erfahren, wobei 75 Prozent der Frauen in leitenden Führungspositionen waren. „Sexismus und sexuelle Gewalt gegen Frauen sind keine Ausnahmeerscheinungen, sondern alltägliche Bestandteile unserer Gesellschaft. Wir müssen aufhören, Gewalt gegen Frauen als Privatangelegenheit zu betrachten und konsequent völkerrechtliche Vorgaben zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frauen umsetzen“, schließt Brigitte Döcker ab.

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5 03 2014
brantonia

Ja und dann will die Politik immer mehr an Frauenhäusern, Interventionsstellen und Frauenberatungsstellen sparen. Wie passt das denn zusammen? Zumal die Gewalt an Frauen auch enorme gesellschaftliche Kosten verursacht, was gerne verschwiegen wird. Alleine die Polizeieinsätze, ärztliche Behandlungen, Krankheits-Fehltage, Gerichtskosten, usw. usw. Wenn man das mal ausrechnen würde und zusammenfassen würde, dann kommen einige Milliönchen zusammen, die man vielleicht besser vorher präventiv eingesetzt hätte. Und dass diese Gewalttaten vorwiegend von männlichen Erdenbürgern verübt werden, wird auch gerne vergessen. Am besten wäre es, wenn da im Vorfeld eine Art Penis-Steuer eingeführt wird. Ha, ha




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