Rechtsanspruch ist mehr als Quotenerfüllung

11 07 2013

Berlin, 11. Juli 2013. „Der Rechtsanspruch wird erst dann eingehalten, wenn jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Kita-Platz erhält und nicht weil eine Quote erfüllt zu sein scheint“, kommentiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler die heute bekanntgegebenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und des Bundesfamilienministeriums zum Kita-Ausbau nach denen im Laufe des kommenden Kita-Jahres 2013/14 knapp über 813.000 Betreuungsplätze für ein- und zweijährige Kinder geschaffen werden. Das wären mehr als 30.000 Plätze mehr als die ursprünglich veranschlagten 780.000. „Auch wenn hier Länder und Gemeinden einen Kraftakt vollbracht haben, den es zu würdigen gilt, ist es alarmierend das es ausnahmslos um quantitative Ausbauzahlen geht. Viel wichtiger ist aber die Qualität der Betreuungsplätze. Nach einer Befragung* unter AWO Kitas leidet diese enorm unter der Umsetzung des Rechtsanspruches. Ein schlechter Kita-Platz ist keinesfalls besser als gar keiner“, stellt Stadler klar.

Seit der Einführung des Rechtsanspruches im Jahr 2008 haben die Verantwortlichen drei grundlegende Faktoren aus den Augen verloren: Die Qualität der Betreuung, das Vorhandensein genügender Fachkräfte und eine ausreichende Finanzierung. Vielerorts stünden Eltern vor der Situation sich entweder mit geringer Betreuungsqualität oder mangelnden Platzkapazitäten abfinden zu müssen. „Die AWO als Trägerin von über 2.300 Kitas wehrt sich gegen Angriffe auf die Betreuungsqualität, die vor allem zu Lasten der Kleinsten gehen. Qualitätsstandards dürfen nicht aufgegeben und am Fachkräfteprinzip muss festgehalten werden“, appelliert Stadler an alle Verantwortlichen.

Die Kommunen haben durchaus zu Recht, immer wieder darauf hingewiesen, dass sie am Ende des Tages mit der Kita-Finanzierung alleine dastünden. Einziger Ausweg sei deshalb, dass der Bund einen Großteil der  Betriebs- und Personalkosten übernimmt. Nur so könne sichergestellt werden, dass alle Kinder, unabhängig von ihrem Wohnort, die Chance auf eine qualitativ gute Kita-Betreuung haben. „Der Rechtsanspruch darf nicht um jeden Preis durchgesetzt werden, d.h. wenn die Betreuungsqualität derart leidet, dass Kinder in ihrer Entwicklung Schaden nehmen könnten, müssen Konsequenzen gezogen werden“, betont der AWO Bundesvorsitzende.

Deshalb fordert die AWO:

  • Bundeseinheitliche (Mindest-)Standards aufgrund pädagogischer (!) Vorgaben
  • Mehr Geld ins System: Kitas sind unter- und fehlfinanziert, die Kommunen müssen entlastet, Bund und Sozialversicherungssysteme dagegen belastet werden.
  • Eine genau Bedarfsanalyse bzw. eine Bedarfsplanung erstellen: Unklar ist, wie viele Plätze und wie viele Fachkräfte gebraucht werden.
  • Kindertagespflege darf nicht zum billigen Ersatz werden, sondern ein  gleichwertiges Angebot.
  • Fachkräftemangel beheben: Steigenden Belastungen der Fachkräfte führen bereits jetzt zu steigenden Krankenquoten.
  • Die Aufsichtführenden Behörden müssen die Qualität der Kinderbetreuung sicherstellen.

 

*Die AWO befragte Kita-Träger, die für über 1.000 Kitas verantwortlich sind, ob und in wie weit sich die Qualität der Betreuung verschlechtert habe. Zu den Ergebnissen.

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