AWO fordert Betreuungsqualität statt Betreuungsgeld

1 07 2013

Berlin. Zur Abstimmung über das Betreuungsgeldergänzungsgesetz der Regierungskoalition, dem vom Bundesrat eingebrachten Gesetzentwurf zur Aufhebung des Betreuungsgeldes und zu den Anträgen von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD zur Verbesserung der Betreuungsqualität in Kitas erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler:
„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden heute zukunftsweisende Entscheidungen über das Aufwachsen von Kindern in Deutschland treffen. Kinder wachsen nicht besser auf, weil ihre Eltern mit direkten Geldleistungen unterstützt werden. Die beste Investition in Kinder ist die Investition in frühkindliche Bildung, wie sie in jedem Kindergarten mit hoher Betreuungsqualität tagtäglich erbracht wird. Das Betreuungsgeldergänzungsgesetz lehnt die AWO ab, weil hiermit das Fernhalten der Kinder aus der Bildungseinrichtung Kita noch höher prämiert wird, als es das Betreuungsgeld ohnehin schon tut.
Die Ergänzungsprämie nützt nur wohlhabenden Familien und der Versicherungswirtschaft. Das Argument, dass hiervon auch Hartz-IV-Bezieher profitieren, darf angezweifelt werden, da es kaum Hartz-IV-Empfänger geben wird, die es sich leisten können nach Auslaufen der Förderungsdauer von zwei Jahren, diese Versicherung für ihre Kinder weiter zu finanzieren. Eine Rentenversicherung, die aber über 60 Jahre brach liegt, nützt nur der Versicherungswirtschaft.
Das Betreuungsgeld hält Kinder von der Kita fern. Besonders Kinder aus fremdsprachigen und bildungsfernen Haushalten profitieren von einem Kitabesuch, da sie dort die deutsche Sprache erlernen, die ihnen später eine erfolgreiche Schullaufbahn ermöglicht. Deshalb ist die zu erwartende Ablehnung des Gesetzentwurfes des Bundesrates durch die Stimmen der Regierungsmehrheit enttäuschend.
Dringender Handlungsbedarf besteht in Sachen Betreuungsqualität. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr darf nicht auf Kosten der Betreuungsqualität umgesetzt werden. Es muss eine Qualitätsoffensive gestartet werden. So weichen alle Bundesländer von der fachlich gebotenen Kind-Erzieher-Betreuungsrelation ab, auch bei den räumlichen Rahmenbedingungen und Qualifikation der Fachkräfte besteht erheblicher Verbesserungsbedarf. Hier hätte der Bund die Chance durch bundeseinheitliche Qualitätsstandards und die dauerhafte finanzielle Beteiligung an der Kita Finanzierungerheblich zu einer Qualitätsverbesserung beizutragen. Lehnt die Regierungskoalition die Qualitätsoffensive ab, hat sie sich von dem Ziel, Qualität ausbauen zu wollen, heute verabschiedet.“
Der AWO Bundesverband hat über die Hälfte seiner mehr 2.300 Kitas gefragt, ob sie negative Auswirkungen auf die Betreuungsqualität durch die Umsetzung des Rechtsanspruches spüren. Dies wurde fast überall bejaht. Ergebnisse der Umfrage.

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