AWO fordert wirksame Maßnahmen gegen Altersarmut

19 10 2012

Berlin, 18. Oktober 2012. „Den zukünftigen Rentnern läuft die Zeit weg“, zeigt sich der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler betroffen, angesichts der heute veröffentliche Zahl des Statistischen Bundesamtes, nach der die Zahl der Rentner, die eine staatlicher Grundsicherung beziehen müssen 2011 erneut um 5,9 Prozent gestiegen ist. „Was die Zahlen jetzt zeigen, ist erst der Anfang“, ist  Stadler sicher, denn: „Wenn nicht umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, wird in den kommenden Jahren Altersarmut normal werden.“ Mit Blick auf die heutige und morgige Rentendebatte im Bundestag erklärt Stadler: „Der Staat kann nicht alle Probleme lösen, in dem er sie privatisiert. Das ständige Rufen nach privater Vorsorge ist eine unsägliche Flucht der Bundesregierung aus ihrer ureigensten Verantwortung für die Bürger.“

Gerade die Arbeitnehmer, die im Niedriglohnbereich tätig sind, würden kaum über die Runden kommen. „Eine zusätzliche private Vorsorge können sie sich schlicht nicht leisten“, betont Stadler und ergänzt: „Das Niedriglohnsystem hat sich zur Armutsfalle für Millionen Bürger entwickelt. Dagegen helfen nur armutsfeste Löhne. Ein allgemeiner Mindestlohn wäre der erste wichtige Schritt.“

Die Empfänger der Grundsicherung im Alter leben von rund 725 Euro inklusive Mietkosten. „Zu wenig“, findet Stadler, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Neben der Höhe, ist vor allem die steigende Zahl der Hilfeempfänger beängstigend.  „Vor allem im Osten Deutschlands, wo langsam die Jahrgänge in Rente gehen, die als so genannte „Wendeverlierer“ gelten, werden arme Rentner zum Normalfall“, befürchtet Stadler. Deshalb müssten jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Zum Schutz der zukünftigen Rentner vor Altersarmut fordert die AWO:

·         Festschreibung des Niveaus der Gesetzlichen Rentenversicherung mindestens auf den derzeitigen Stand von 51 Prozent vom Bruttolohn minus Sozialabgaben,

·         Stärkung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, Bekämpfung des Niedriglohnsektors und der schlechten Bezahlung von Frauen,

·         Einen Besseren und abschlagsfreien Zugang zur Erwerbsminderungsrente,

·         Eine Konzentration auf die beitragsfinanzierte und solidarische gesetzliche Rentenversicherung. Diese muss zur Erwerbstätigenrente werden (das heißt, sie wird ausgeweitet auf Beamte, Selbständige etc.),

·         Beibehaltung bzw. den Ausbau der paritätischen Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber,

·         Konzentration auf die umlagefinanzierte Sozialversicherung (Private Vorsorge darf nur eine zusätzliche und keine notwendige Option sein),

·         Bessere Anerkennung von gesellschaftlichen Aufgaben der Kindererziehung und Pflege von Angehörigen,

·         Finanzierung dieser gesellschaftlichen Aufgaben aus Steuermitteln.

Die AWO fragte in ihrem letzten Sozialbarometer 1.000 Bürger: Fürchten Sie, dass Sie im Ruhestand von Altersarmut betroffen sind, also dass Sie dann nicht ohne staatliche oder familiäre finanzielle Unterstützung auskommen?

42 Prozent bejahten dies. Weitere Ergebnisse: http://www.awo.org/aktuelles-und-presse/awo-sozialbarometer/

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