Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst: etabliert aber noch ausbaufähig

28 06 2012

Berlin. „Der Bundesfreiwilligendienst ist noch ausbaufähig, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler angesichts des Jahrestages seiner Einführung. Bei den meisten  Einsatzstellen hätte sich der Wechsel vom Zivildienst zum Freiwilligendienst positiv ausgewirkt. „Freiwillige sind hoch motiviert und engagiert“, zeigt sich Stadler zufrieden. Besonders in der direkten Arbeit mit Menschen wirke sich das sehr positiv aus, da so intensive zwischenmenschliche Beziehungen aufgebaut werden könnten.

Doch die AWO sieht durchaus Nachbesserungsbedarf beim Bundesfreiwilligendienst (BFD). „Die Qualität der Bildung ist für Freiwilligendienste, die bei der AWO als Bildungs- und Orientierungszeit betrachtet werden, von immenser Bedeutung. Doch nach wie vor hat der Bund im BFD keine Qualitätskriterien für die pädagogische Betreuung vorgelegt“, bemängelt Stadler. Zudem müsse die wichtige Rolle der Träger in diesem Bereich endlich auch gesetzlich verankert werden. Wie im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) leisten die regionalen AWO-Träger die zentrale Begleitungs- und Bildungsarbeit und müssten direkt in die offiziellen Abläufe eingebunden werden, um unnötige bürokratische Hürden abzubauen. „Die Verwaltungsabläufe müssten insgesamt vereinfacht werden“, fordert Stadler. Um den BFD noch attraktiver zu gestalten, wären zudem bundeseinheitliche Regelungen etwa zur Anerkennung für Ausbildungs- oder Studiengänge wünschenswert.

Aktuell engagieren sich bei der AWO rund 1.650 Bundesfreiwillige. Dazu kommen die zahlreichen Neuverträge der Schulabgänger, die ab Herbst ihren BFD beginnen. Damit hat sich die Zahl der Menschen, die einen Freiwilligendienst bei der AWO leisten, seit letztem Jahr auf insgesamt ca. 4.700 fast verdoppelt. „Vor dem Hintergrund der starken Nachfrage benötigen wir mehr Mittel und zwar für den Bundesfreiwilligendienst und das FSJ“, betont Stadler.

Über zwei Drittel der Bundesfreiwilligen bei der AWO engagieren sich ein Jahr oder länger. Abgesehen von leichten regionalen Unterschieden, gibt es in etwa genauso viele männliche wie weibliche Freiwillige. Der überwiegende Teil der Bundesfreiwilligen bei der AWO ist unter 27 Jahre (79 Prozent). Besonders viele ältere Freiwillige gibt es in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Über 60 Prozent der Freiwilligen leistet einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst, knapp zehn Prozent sind bis zu 18 Monate im Einsatz. Die übrigen 30 Prozent der Freiwilligen engagieren sich zwischen sechs und elf Monaten. Kitas, Jugendzentren, offene Ganztagsschulen und Seniorenzentren sind sowohl im Bundesfreiwilligendienst, als auch im FSJ die beliebtesten Einsatzbereiche.

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