Sozialberufe sind kein Auffangbecken

11 06 2012

Berlin. „Es ist vollkommen richtig und schon längst überfällig, dass sich die Bundesregierung um die Schlecker-Frauen kümmert“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler angesichts des neuesten Vorschlags aus dem Bundesarbeitsministerium, fügt aber hinzu: „Die Erziehung von kleinen Kindern und die Pflege hilfsbedürftiger Menschen eignen sich aber weder für arbeitsmarktpolitische Zwangsmaßnahmen noch dafür, ungelernte Kräfte einzusetzen. Die dringend notwendige gesellschaftliche Aufwertung dieser sozialen Berufe wird mit solchen Maßnahmen nicht erreicht – ganz im Gegenteil“, gibt Stadler zu bedenken und ergänzt: „Sozialberufe dürfen nicht zu Auffangbecken werden.“

„Die AWO begrüßt es grundsätzlich, wenn Frauen und Männer ohne Zwang verstärkt auf die sinnstiftenden, aber auch verantwortungs- und anspruchsvollen Berufsfelder im Kita- und Altenpflegebereich aufmerksam gemacht werden“, erklärt der AWO Bundesvorsitzende. „Qualifizierte und menschlich zugewandte Kinderbetreuung und Altenpflege – dass kann aber nicht jeder“, so Stadler. Denn die Anforderungen an die Mitarbeitenden würden höher und dazu benötige man gutbezahlte und hochmotivierte Fachkräfte. „Schnelle und billige Lösungen sind das grundsätzlich falsche Signal und können nicht die Fehler jahrzehntelanger falscher Ausbildungspolitik wieder gut machen“, betont Stadler.

Die Ausbildung zur Erzieherin dürfe nicht durch kurzfristige politische Fehlentscheidungen aufgeweicht werden. Umschulungen seien zwar generell kein falsches Instrument, man dürfe die Kitas damit aber nicht überfordern. „Für die Integration und Qualifizierung fachfremder Arbeitskräfte brauchen die Kitas durchdachte Konzepte“, erklärt Stadler. Zudem dürften zusätzliche Kräfte, solange sie noch ungelernt sind, nicht auf den Personalschlüssel angerechnet werden.

Auch in den Pflegeberufen sind die Anforderungen in den letzten Jahren enorm gestiegen: Auf der eine Seite  durch Arbeitsverdichtung und immer mehr Koordinations- und Steuerungsaufgaben, auf der anderen Seite durch die sich ändernden medizinischen und pflegerischen Bedarfe, angesichts  Demenz, Multimorbidität und die steigenden Anforderungen an die Betreuung. „Deshalb brauchen wir in der Pflege vor allem mehr gut qualifizierte Fachkräfte und weniger noch mehr angelernte Hilfskräfte, die schon jetzt 50 Prozent und mehr der Arbeitenden in der Pflege ausmachen“, betont der AWO Bundesvorsitzende abschließend.

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