Rente mit 67 – An der Lebensrealität vorbei

3 01 2012

Berlin, 02. Januar 2012. „Die Rente mit 67 kann erst dann umgesetzt werden, wenn mindestens die Hälfte der über 60-jährigen eine reguläre Arbeit hat“, fordert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler anlässlich der neuesten Diskussion in der Regierungskoalition um die seit Jahresbeginn geltende schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters. „

Derzeit geht die Rente mit 67 an der Lebensrealität vorbei. Da die Beschäftigungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer über 50 viel zu schlecht sind, bedeutet die Rente mit 67 für die meisten nichts anderes als eine zum Teil drastische Rentenkürzung“, kritisiert Stadler.

Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland geht vor dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters in den Ruhestand. Viele Gering- und Durchschnittsverdiener arbeiten körperlich. Für sie ist es eine Illusion bis 67 durchzuhalten. Doch besonders diese Menschen können sich die mit einem früheren Renteneintritt verbundenen Rentenkürzungen nicht leisten. „

Vielen droht damit die Altersarmut. Das kann nicht das Ziel der Rente mit 67 sein“, betont Stadler. Dennoch dürfe nicht zum Credo werden: lieber höhere Beiträge für die Jüngeren, als längeres Arbeiten für die Älteren. Hier sieht Stadler auch bei den Arbeitgebern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung: „Obwohl dies eigentlich ein Gebot des demographischen Wandels ist, tun die Arbeitgeber noch zu wenig.“

Die Erwerbsbeteiligung der Älteren bleibt trotz eines Anstiegs in den letzten Jahren, deutlich hinter der Beschäftigungsquote jüngerer Altersgruppen zurück. Vor allem diejenigen, die den Job verlieren, haben kaum Chancen, wieder eine neue Stelle zu bekommen. Die nun bis 2031 geltende Übergangszeit müsse deshalb besonders von den Arbeitgebern genutzt werden, um ihre Arbeitsbedingungen auf einen höheren Anteil älterer Beschäftigter anzupassen.

Vor allem präventive Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Gesundheit wären von enormer Bedeutung für eine möglichst lange Lebensarbeitszeit und damit auch für ein ausreichendes Einkommen im Alter. Studien zeigen, dass zu wenige Unternehmen ältere Arbeitnehmer in ihre Weiterbildungsangebote einbeziehen und noch zu selten auf flexible Arbeitszeitmodelle gesetzt wird. Auch der Staat könne zu einer Verbesserung beitragen, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Infrastruktur oder die finanzielle Unterstützung von lokalen Bildungs- und Qualifizierungsnetzwerken.

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