Verband berufstätiger Mütter e.V. : „Ich kann kommen und gehen wann ich will!“

18 10 2011

Ergebnisorientiertes Arbeiten – von der Utopie zum Erfolgsmodell für familienbewusste Unternehmen. Das Topthema des Verbands berufstätiger Mütter (VBM) hat es in sich: „Effizienz statt Präsenz“ fordert nicht weniger als die Abschaffung der Präsenzkultur in deutschen Unternehmen. Was steckt dahinter? Lange Anwesenheit fördert die Karriere, vor allem abends. Auch die Teilnahme an Meetings ist ein Karrierefaktor. Nur dann glauben Kollegen und Vorgesetzte, dass man etwas tut für das Unternehmen. Angestellte werden zudem nach abgeleisteten Arbeitsstunden bezahlt, selten nach Leistung oder Ergebnissen. Das heißt: Wer von morgens bis abends im Unternehmen präsent ist, muss wohl sehr engagiert sein und wahrscheinlich auch besser als die weniger präsenten Kolleginnen und Kollegen, oder? Menschen, die z.B. aufgrund familiärer Verpflichtungen weniger präsent sein können, haben also das Nachsehen.Diese Arbeitskultur benachteiligt viele Frauen – aber auch Männer – mit Kindern, die nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen. Weniger anspruchsvolle Aufgaben, geringere Karrierechancen und ein niedrigeres Gehalt sind Ausdruck dieser Benachteiligung. Deshalb fordert der VBM hier von den Arbeitgebern ein Umdenken. Ergebnisbezogenes Arbeiten nützt Unternehmen Der sich anbahnende Fachkräftemangel in Deutschland zwingt Unternehmen, stärker auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen und zukunftsfähige Konzepte für die Gestaltung der Arbeitswelt zu entwickeln. Viele benötigen mehr Freiraum, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Doch auch Menschen ohne familiäre Verpflichtungen werden sich in Zukunft für die attraktivsten Arbeitgeber entscheiden, und flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten steht gerade bei sehr gut ausgebildeten Fachkräften hoch im Kurs. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort und die Förderung ergebnisbezogenen Arbeitens bringen weitere Vorteile: Effizienz und Produktivität steigen, wenn der Arbeitstag entzerrt wird, und Mitarbeiter sind ausgeglichener und motivierter, wenn sie ihre Zeit eigenverantwortlich gestalten können.

Arbeiten frei von Zeit und Raum – das Lübecker Symposium setzt Zeichen: Gemeinsam mit der Beratungsstelle „Wirtschaft und Familie“ der IHK zu Lübeck veranstaltete der VBM am 02. September 2011 das Symposium „Moderne Zeiten – arbeiten frei von Zeit und Raum“. Experten, Wissenschaftler und Unternehmer diskutierten hier das Für und Wider einer flexiblen Arbeitswelt. Mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die lebhaften Diskussionen belegen, dass mit diesem Thema ein Nerv bei den Unternehmensverantwortlichen getroffen wurde. Vor allem die Beispiele aus der Praxis zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich ergebnisorientiertes Arbeiten, flexible Arbeitsstrukturen und eine ernst gemeinte Mitarbeiterorientierung umgesetzt werden können – und das zum Teil mit sehr einfachen Maßnahmen.

Zum Beispiel gilt in der Volksbank Lübeck nun die Devise „Zielverantwortung statt Anwesenheitsprämie“, flexible Arbeitszeitmodell sind möglich und individuelle Lösungen für die Mitarbeitenden werden unbürokratisch gefunden.

Bei dem großen Berliner Ingenieurbüro hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH wird die Präsenz im Büro zur Nebensache. Die Verantwortung für die Arbeitsergebnisse liegt bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei der Kundenservice durch innovative Informationstechnik sichergestellt wird.

Feste Wochenarbeitszeiten gibt es nicht – die Geschäftsführung geht davon aus, dass Mitarbeiter in den mittleren Jahren mit Familie eben weniger arbeiten als jüngere. Dennoch ist das Leistungsniveau extrem hoch, und sehr hohe Bewerberzahlen belegen die Attraktivität dieses innovativen Arbeitgebers.

Erstaunlicherweise ist der Anteil der Frauen für den Ingenieurbereich mit mehr als 50% auffallend hoch. Silke Luinstra, Bundesvorsitzende des VBM und Beraterin für Beruf und Familie stellte einen neuen Ansatz zum ergebnisbezogenen Arbeiten vor: das ROWE – Results Only Work Environment. Kennzeichen dieser Arbeitsweise ist eine völlig neue Auffassung von Arbeit, nämlich nicht als Ort, den man aufsucht, sondern als Tätigkeit mit konkreten Ergebnissen. Mitarbeiter haben mehr Freiheit, so zu arbeiten, wie es ihnen entspricht, es gibt keine starren Arbeitszeiten, jedes Meeting ist optional – und niemand wird danach beurteilt, wie lange er seine Zeit im Büro verbringt oder wie viele Stunden er arbeitet. Diese Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort schafft eine völlig neue Arbeitswelt, die auf die individuellen Bedürfnisse von Mitarbeitern Rücksicht nimmt. Dies klingt utopisch, doch der amerikanische Elektronikkonzern Best Buy, IBM, Siemens und GAP haben diese Arbeitsweise in ihrem Unternehmen bereits umgesetzt – und konnten so z.B. die Fluktuation von Mitarbeitern extrem reduzieren, Geld sparen, da sie weniger Büroflächen benötigten und – im Fall von Best Buy – die Produktivität um 35 % erhöhen.

Für eine familienbewusste Arbeitswelt! Nicht nur der VBM widmet sich dem Thema Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort. Z.B. greifen das Bundesfamilienministerium und die DIHK mit ihrer Initiative „Erfolgsfaktor Familie“ das Thema „Familienfreundliche Arbeitszeiten“ auf (www.erfolgsfaktor-familie.de). Und auch in den Lokalen Bündnissen für Familie wird dieses Thema bundesweit immer wieder diskutiert.

Quellen:

Info des Zukunftsforum Familie e.V. vom 17.10.2011 (www.zukunftsforum-familie.de)

Pressemitteilung Verband berufstätiger Mütter e.V. vom 04.10.2011

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